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Das VII. capitel.

Georg Rollenhagen

"Insonderheit laß man zu haus Die lichtscheuende fledermaus. Denn als die vogel mit den tieren Auch pflagen ihre krieg zu füren,

Wenn die meus hatten überhand, So kam sie bald zu ihn gerant; Sah sie abr die vogel siegen, So wolt sie unter ihnen fliegen.

Wenn man sie darum setzt zur red, Sagt sie, das sies vorsichtig tet: Ein wandersman sein kleid verkert Wie das wetter und wind ihn lert;

Bis kein partei sie leiden wolt, Das sie am tag umfliegen solt, Als der nicht sei zu trauen mer, Weil sie zum schelm gemachet wer. –

Der spitzmaus ist auch nicht zu trauen. Sie kam einmal zu meiner frauen, Warb sich mit guten worten ein; Mein frau wolt ihr auch freundlich sein,

Bot ihr zu einem kuß den mund, Abr sie biß ihr die nase wund. Das meine frau acht on gefar, Dieweil die spitzmaus schwanger war

Und das vielleicht aus fürwitz tate; Endlich sie den tod davon hatte. – Und zwar solch freund beger ich nicht, Die sich freun, wenn mir leid geschicht,

Die mich auch selber niderdrücken, Nicht aushelfn, wenn mirs will unglücken. Das bedenken muß ich auch sagen, Wenn man von den störchen will fragen.

Denn Weizmeulchen, der fromme man, Pflag in der scheun sein haus zu han; Weil aber die katz und mantier Fraß und schlug seiner kinder vier,

Wolt er unter des storches nest Suchen seine wonung und fest. Indem er aber die dornhecken Abbeißen wolt und hinwegtrecken,

Das sein heuslein fein raum kont stehen, Setzt sich ein dorn in seine zeen. Den kont er gar nicht ziehn aus, Saß bestürzt wie ein lame maus,

Doch zwang ihn der hunger zuletzt, Das er sich fürm storch nidersetzt, Bat, er wolt ihm den dorn ausheben, Er wolts ihm dankn im tod und leben.

Der storch abr sprach: Bist du der man, Für dem ich nimmer schlafen kan, Sondern kreuchst und beißt alles um In meinem bet die quer und krum,

Tust mir in meinem haus gewalt, Das hat dir got einmal bezalt! Wie kan got den schuldigen finden Und dem vielfraß das maul verbinden!

Ich will dichs auch lassen genießen! Damit fraß er ihn auf ein bissen. Der sprech ihn an, der gern will sterben; Ich will die sach bei ihm nicht werben. –

Ueber das wenn alles ist schlecht, Der beistand sich gehalten recht, Und der feind also ist geschlagen, Das man von der beut sol umfragen:

So will der stark haben allein Was man solt teilen in gemein. Und geht also, wie man will sagen, Das mit einander wolten jagen

Der fuchs, der esel und der leue Auf gleiche beut, gefar und treue. Und da sie viel zusamenbracht, Gab der leu dem esel die macht,

Das er den raub austeilen solt Wie sichs billig gebüren wolt. Der esel legt drei gleiche haufen Und sprach: Man laß das los nun laufen,

Wers erst odr ander würd ertappen, Gleich brüder tragen gleiche kappen. Der leu ergrimt und grif zur stund Den esel bei der nas und mund,

Zwang die mit seinem maul zusam, Das kein lüftlein heraußer kam, Bis er elendiglich erstickt; Die haut er ihm vom kopf abrückt,

Das er war allenthalben bloß, Das blut heftig herunter goß, Und ließ ihn so liegen für tot. Mit zorn dem fuchs zu teiln gebot.

Der fuchs für sich ein wenig nam, Trug das ander alles zusam Und sprach: Das gehört euer sterk, Ihr habt angefangen das werk

Und die gröste erbeit geton, Dem erbeiter gebürt sein lon, Wie die heilig schrift selber spricht, Darzu darf man des losens nicht.

Der leu lacht den fuchs freundlich an Und sprach: Du allerliehster man, Deine teilung ist lobenswert, Lieber, wer macht dich so gelehrt?

Der doctor in der roten mützen, Als er für euch must nidersitzen, Sagt der fuchs. – Es ist kein torheit, Das uns klug macht eins andern leid,

Darum halt ich, man sehe wol zu, Das unsr beistand nicht auch so tu."

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