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Das VI. capitel.

Georg Rollenhagen

Dieweil also der meus vortrab In den see wird gestürzet ab Und der ander hauf hernach dringet, Sich und sein eigen volk umbringet,

Namen die frösch in großer eil Ihren vorbenanten vorteil. Padran und seine hofeleut Stutzten in das feld gar weit,

Das sie die meus vom berg abbrachten, Mordax ein freien paß aufmachten. Den die schützen vom berg empfiengen, Weil seine leut im tal umgiengen.

Denn als der meuskönig vermeint, Das aus furcht abwichen die feind, Rückt er freidig on alle sorgen Des Padrans reutern zu gegn morgen.

Indes komt auf der linken hand Der Mordax trotziglich gerant, Wie ser auch des schwarzn fenleins schützen Bergunter auf sein man absprützen,

Und wendet sich mit seinen leuten, Padran gegn ihn zur andern seiten, Bis sie den meuskönig umringen Und mit gewalt zu ihm eindringen,

Ob sie den könten da erschlagen Oder im see zum grabe tragen. Da waren die frösch herzlich fro, Das nach ihrem wunsch gieng also,

Als wenn die hund ein wilden beren Umringen und gar weidlich zerren, Der zuvor hieng oben am baum Und nicht herunter wolt am raum.

Also satzten sie auf ihn zu Und ließen ihm gar wenig ruhe. – Daraus entstund von des volks menge Ein so erbermlich groß gedrenge,

Das der könig und seine scharen Ihrer durchaus nicht mechtig waren Und nun von ihrer keinem mer Geschehen kont gegenwer.

Denn Forklug stritt am see davorn, Die Deutschn hattn den könig verlorn, Drungn mit gewalt von hinten nach, Die frösch übten zun seiten rach,

Stachen zornig auf die meusknaben Und wolten kein erbarmen haben. – Reismelsack schrie wol grimmiglich: "Ihr lieben Deutschen, höret mich,

Wendet euch, aber trent euch nicht, Behalt ordnunge und gute schicht. Wir können ferner nimmer fort!" Aber da war niemand, der hort,

Und er kont selber nicht heraus. Wie stank da manche hosenmaus! Wie manche wünscht von herzengrund, Das sie daheim frisch und gesund

Widrum sitzen möcht in ihr nest! Sie wolt sagn: "Ich bin da gewest; In krieg da kom ich nimmer mer, Und zürnt der könig noch so ser!"

Viel riefen: "Ach, mein mütterlein, Wüstest du deines sones pein, Du würdest blutig trenen weinen. O wer geblieben wer daheimen!

Got tröst mein buln, die schöne maus, Wenn ich nicht wider kom zu haus!" Ja die ser stark und jung von jaren, Auch vor die allrmutigsten waren,

Die all frösch allein wolten fressen, Hatten ihres muts gar vergessen, Starrten wie die verzagten metzen, Wolten den könig nicht entsetzen.

Es wer Mordax auch gar durchbrochen Und het den meuskönig erstochen, Wenn nicht das deutsch fußvolk mit macht Ihr regiment dawider bracht

Und ihn da widerstanden hatten, Wie die Franzosn Padran auch taten. – Insonderheit Mordax aufhielt, Das Schluckbruder für gar so wild

Und seinem roß ein bein abschlug, Dadurch es bekam seinen fug Und mit dem reuter fiel hernider; Und ob Mordax gleich bald herwider

Gesatzt ward auf ein ander roß, Hielt ihn doch auf derselbe poß Und macht, das er keim andern flucht, Auch keinen als Schluckbrudern sucht,

Der sein da nicht abwarten kunt, Sondern eilet hindurch die stund Mit seinem mutigen beistand, Da er Mordaxen fanen fand,

Ob er derselben ein ergriff Und denn jeder nachritt und lief, Und so der könig könt los werden Aus dem angstgedreng und beschwerden.

Sein fenrich war auch frisch daran, Das kostet manchen heldenman. Denn als man hört ein groß geschrei, Das der hauptman geschlagen sei

Und Schluckbruder die fan begert, Hett sich der frösch herz bald verkert, Wenn nicht Mordax selbst wer ankommen Und sich des lermans angenommen,

Der auf fenrich Saufausen rant Und hieb ihm ab die rechte hand, Das sein fenlein zu bodem gieng, Das er mit der linken auffieng

Und hielts manlich wider empor, Ob er gleich die eine hand verlor. – Die doppelsoldner namens acht, Schlugen um sich mit aller macht,

Das bei dem Mordax viel froschreuter Abfielen als gemeiete kreuter, Insonderheit die mutig held Mückenfaher und Fleuchdiekelt,

Die Schmeckebier mit dem schlachtschwert Wie die kornrosen hieb zur erd. Der Schluckbruder kriegt auch in eil Ins linker aug ein scharfen pfeil,

Als er sahe nach der reuterfan, Doch blieb er unverzagter man, Warf den pfeil mit dem aug hinweg Und sprach: "Der hat troffen den zweck.

Ich will der frösch widrum nicht feilen Und ihn die köpf also verkeilen, Das ihn sehn und hören vergebe, Dieweil ich mit eim aug noch sehe!"

Bald ihn fürst Mordax da erblickt Und sich mit seinem rennspieß schickt, Spricht: "Find ich dich, du loser man? Siehe, das solt du zum trinkgeld han!"

Hofft ihn durchzurennen gewiß. Schluckbruder schlug ihm aus den spieß, Das er kein leid davon empfieng, Sondern durch Küchldiebs kele gieng,

Der hinter ihm stund im gedreng Und für tot hinfiel in die meng. Er sprang aber zu Mordax wild Und sprach: "Halt, meins nun wider gilt!"

Und strich zu ihm ein mit dem schwert, Das Mordax beinah stürzt vom pferd. Aber der schild war fest und hart, Das er gar nicht verwundet ward,

Sondern das schwert auf stücken sprang. Mordax seumet sich auch nicht lang Und war mit seim sebel herfür. Auf das er ihn damit nicht rür,

Für Schluckbruder in großer eil Den Mordax an gleich wie ein pfeil Hin auf das roß, faßt ihm die kel: "Nun", sprach er, "befel got die sel!"

Indes stürzt das roß in dem trab Und wirft sie zugleich mit herab, Das sie da auf einander lagen, Als wenn der luchs in seinem jagen

Dem hirsch springet unters horn Und schlegt ihm in die haut die sporn, Bis er ihm die kelen abbeißt Und so erstickt zu bodem schmeißt.

Mordax stieß ihm auf seinen kopf, Soviel er kunt, den sebelknopf, Bis er seins stoßdegens gedacht, Setzt ihm den in die seit mit macht,

Den Schluckbrudr nicht lang stecken ließ, Sondrn Mordax durch die gurgel stieß.– Indes wütet zu beiden seiten, Was dabei war von ihren leuten,

Das ihrer viel am selben ort Zugleich mit ihn wurden ermordt, Als wenn der wind ein baum umreißt, Der ein andern mit niderschmeißt,

Das sie beid nicht allein verderben, Sondern viel jung nachbar mit sterben.

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