Nach diesem fieng zu reden an Ein wolversuchter kriegesman, Der oftmals war dabei gewesen, Da man steupt mit dem eisenbesen,
War auch vielmals gar hart verwundt, Wie mans an narben spüren kunt, Trug jederzeit ein buch im busem Oder in den welschen spitzhosen,
Und war grenzverwarer dasmal, Gutes ansehens überall. Fürst Reismelsack gar wol genant Hielt sein spieß in der rechten hand
Und fasset mit der linkn den degen, Von herzen mut war er verwegen. "Fürst Rathülfer redet gar wol", Sprach er; "wenn ich aber auch soll
Bedenken was uns nütz möcht sein, So deucht michs best, wir bliebn allein, Lüden zu uns nicht solche gest, Die uns bissen aus unserm nest.
Wenn wir hamster und ratzen eben Solten zween tag zu essen geben, Sie verzertn uns allen vorrat, Da man sonst wol ein jar an hat.
Wie man sonst in dem sprichwort sagt, Das über solche freßhense klagt: Wo die münch und die pfaffen raten, Wo die landsknecht sieden und braten,
Wo die weiber haben das regiment, Da nimt es selten ein gut end. Besoldung wolt auch sein bezalt, Da würd sich das spiel finden bald,
Denn solcher krieg, wie er vorschlegt, Der unkosten zu viel austregt, Solchr krieg zum anfang fordert geld, Zum weitern ausgang aber geld,
Zum auswarten noch geldes genug: Wo nemn wir das mit gutem fug? Und ist selten gut glück dabei, Wo sich gesellt ungleich partei:
Die starkn regieren alle sachen Und übervorteilen den schwachen; Wo beut gefellt, da sein sie frisch, Wo schleg gefalln, da flieg ens risch
Und lassen andre fein im stich. Wolt des jemand beschweren sich, So richtn sie einen auflauf an, Den man oftmals nicht zwingen kan,
Drauen, das feld gar zu verlassen Oder wol zum feind hinzupassen. – Und graten solch ungleiche ding Wie es mit zween töpfen gieng:
Einer war erz, ser teur und wert, Der ander schlechter ton und erd, Stunden am ufer alle beid, Sich umzusehen kurze zeit,
Bis ihre schifleut wider kemen, Sie in ihre gewarsam nemen, Da ergoß sich über vermuten Ein groß wasser mit seinen fluten,
Erhub die töpf und fürt sie hin." Der irden topf sahe aus gar schlim, Furcht sich, er würd aus ufer stoßen, Er würd erseuft und vollgegossen,
Bat derwegen den ehern topf, Wolt ihm halten helfen den kopf, Das er so nicht dürft untergehen, Er wolt widrum auch bei ihm stehen.
Der ehern topf sagt: Warum nicht? Ich will mich zu dir halten dicht. Und streckt damit ein füßlein her, Welchs des andern topfs handgrif wer.
Wie aber der irden topf gieng, Das er sich an den ehern hieng, Doch zu leicht in dem wasser war, Rückt ihn die well gar hoch empor
Und ließ ihn mit eim großen schallen Auf den ehern hinunterfallen. Da war der arm topf gar entzwei, Verschied mit eim großen geschrei,
Vermant alle töpf, jung und alten, Solten sich zu ihrs gleichen halten. – Der distl hört auch den eichbaum loben, Das er im wald stund hoch erhoben
Und eine schöne tochter hatte, Darum schickt er zu ihm und bate, Das er die geb seim son zum weibe Und das sie im tal bei ihm bleibe.
Der eichbaum wolt die wonung sehen, Alle waldtier kamen mit gehen; Ehe abr er fragt, wer ihn gebeten, War vater und son gar vertreten
Und lernten auch mit großem schaden, Ungleich freundschaft sei nicht zu raten. Darauf die disteln nunmer sehen, Liebr allein denn bein beumen stehen.
Denn wenn gleich alls geret zum besten, Gewints doch den ausgang zum letzten, Das welcher den andern vermag, Steckt und verkeuft ihn bald in sack,
Das der schwecher muß haben schad Odr dem starken dienen auf gnad. – Wies den taubn und habichten gieng, Wie das pferd sein reuter empfieng.
Denn wie ich in dem Asaph las, Der Salomonis singer was, Wolten die tauben nicht mer dulden, Das die weihen on alls verschulden
So feindlich ihnen stellten nach, Wolten mit krieg schlichten die sach. Dieweil sie aber von natur Weren furchtsame creatur
Und zwar mit flügeln konten schlagen, Den angrif doch nicht durften wagen, So musten sie ein andern welen, Ihm des obersten amt befelen,
Der zu regieren wust das werk, Dem nichts mangelt an mut und sterk. Denn besser sei der hirschen heer, Welcher herzog ein leue wer,
Denn ein kriegsvolk von eiteln leuen, Die ein hirsch fürt mit furcht und scheuen. Dazu ward der habicht bestellt, Ihm allein befolen das feld,
Das er den krieg solt ganz regieren, Die tauben widern feind anfüren, Selber mit stoßen, reißen, beißen Auf der weihen hause zuschmeißen.
Ob nun gleich der habicht ankam, Die bestallung willig annam, Gedacht er doch: Solt ich der weihen Zum krieger und mörder gedeihen,
Das geb mir viel größer gefar Und nützet mir nicht um ein har, Weil ihr klauen sind scharf als graten, Und das fleisch nicht wol taug zu braten;
Ich muß meine haut selber sparen Und nicht gar zu geschwinde faren, Als ob ich auf gelegenheit Noch wartet bis zu rechter zeit,
Die bsoldung wird doch wol fortgehen, Sein vorteil muß ein jeder sehen. Wie er also ins taubhaus kam Und seine gelegenheit vernam,
Da grif er nach den feisten jungen, Schwang mit derselben blut die zungen, Sagt doch, er wer ihnen nicht gram, On das sie winseln nach der amm,
Damit sein ruhe und schlaf verstörten, Dafür ihn orfeigen gebürten; Die kinder müst man ziehen hart, Sonst ein verloren hauf draus ward.
So lernten die tauben mit schaden, Was sie für einen gast geladen, Das sie den gebeten ins haus, Welcher den wirt selbst biß hinaus.
Denn wo der wolf weidet die herd, Da sind die scheflein bald verzert.
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