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Das V. capitel.

Georg Rollenhagen

"Lieben herren und lieben kinder, Sprach der alte Marx, ihr seid nicht rinder, Sondern von der propheten art, Den heimlichkeit ward offenbart

Vom sommer, sonnenschein und regen Und wie sich die winde bewegen. Was soll aber der weise man, Der ihm selber nicht raten kan

Und, wenn er gleich hört guten rat, Dennoch nicht folget mit der tat? Was sol man raten oder taten, Da alle sachen sein verraten?

Es ist nun eur wille geschehen Und damit leider viel versehen, Denn das jemandes zwingen wolt Euren neuen könig Barthold,

Ist alles von vergeblichen dingen, Dieweil kein schlang ihn mag bezwingen, Er nimt und fürt sie alle daher, Als wenns der teufel selber wer.

Er stehet auch nicht ab von dem amt, Weil ihr ihm geschworen allesamt, Und ist kein zweifl, got hat gewolt, Das er eur torheit strafen solt. –

Es ist dennoch nicht alls verloren, Wenn ihr nur guten rat wolt hören. Ich hab eurn könig angesehen: Er kan wol an dem ufer gehen

Und etwas in dem wasser waten So weit die stiefeln sein geraten, Nicht schwimmen und tauchen geschwind, Weil seine füß on ruder sind.

Darum regieret er im land Und auswendig die see am rand; Die tief aber bleibt uns allein, Darein können wir sicher sein,

Auch wol im ror, für seinem schlagen, Das wasser kan ihn gar nicht tragen. Es bleibt uns auch die nacht allein, Er schleft und mag nicht bei uns sein. –

Ist derhalben mein rat und ler: Wer gnarret hat, der narr nicht mer, Erzürn got nicht, folg gutem rat, So komt er nicht in größer schad!

Darnach, weil ihr den storch erkoren Und ihm ein hohen eid geschwaren, So halt den eid und sein gebot; Wer den eid bricht, der lestert got,

Und got straft es an kindes kind: Das sich in der erfarung findt. Insonderheit weil sein gebot Nicht ist wider natur und got;

Denn ob es wol ser geht zu herzen, Wenn man sein freiheit soll verschmerzen, Nicht tun als man zuvor gewont, Mit leibesstraf nicht sein verschont,

So soll man doch nicht widerstreben. Wenn man die freiheit hat vergeben. Wenn man einmal geschworen hat, Zu halten des königs mandat,

Sein recht hat man vergeben schlecht, Wie man spricht: Wilkür bricht landrecht. – Unterdeß, weil der storch gestatt, Das ihr euch selbst regiert mit rat,

Das wir fortan in unserm see Unordentlich nicht leben mehe Und darüber von jar zu jar Immer kommen in mehr gefar,

So erwele man weise leut, Die anfahen morgen und heut Aufzuschreiben gesetz und recht, Darnach sich richt unser geschlecht,

Die erbarlich und billig sein, Laster nicht lassen reißen ein, Niemand mit ungerechtigkeit Zufügen ein beschwerlichkeit,

Die loben muß, wer nur ist bieder, Die dem könig nicht sind zuwider. Die gesetz sollen sein unser herr, Soln uns richten, sonst keiner mer.

Des gesetzes diener wollen wir sein, Damit wir bleiben frei und rein; Niemand soll tun was ihm gefellt, Sondern was ihms gesetz vorstellt;

Wer dawider will tun und leben, Der sol gut oder leben geben, Oder wir woln ihn aufs land jagen, Daselbst mag er dem könig klagen,

Was er für böse tat begangen, Und sein verdiente straf empfangen. Wer aber lestert wider got, Es sei im ernst oder im spott,

Dem schneid man ab die zung sobald, Das er ewig stilschweigen halt Und sein leben zubringen muß Fern in der insel Seriphus. –

Damit aber jeder erfar, Was im gsetz recht odr unrecht war, Soll man ordnen zwelf weise herrn, So unserm ganzen reich zu eren

Das recht lernen und jedem sprechen, Wie man straf, die sich dran verbrechen. Und das man ere, was diese sagen, Und straf, die nach dem recht nicht fragen,

Muß auch ein könig sein bestallt, Der über ihrem rechtspruch halt, Der so mechtig sei und bewert, Das sich keiner wider ihn sperrt;

Denn gebieten on straf und macht Macht herren und gebot veracht. – Das auch der könig nimmer frei Gebraucht seines willens tyrannei,

Die rechtsprechen und ihr geschlecht Veracht, unterdrückt wider recht: So bleibt die alte ordnung gleich, Das sieben fürsten sein im reich,

Die neben andern haben macht, Den könig zu tun in die acht Und einen andern zu erwelen, Der tue was ihm die recht befelen. –

Der könig und die sieben herren Werden zu des ganzen reichs eren Wol befördern zu aller frist Was jederman zutreglich ist,

Das adel, bürger, baur und knecht Ein jeder bleib bei seinem recht. Denn wo kein stand behelt sein er, Bleibt in dem reich kein freiheit mer.

Wies denn bei tyrannen zugehet, Freiheit bei ihnen geferlich stehet, Alzeit neidet der tyran Ein freie stadt und freien man. –

Vornemlich aber muß man haben Viel schulen vor die junge knaben, So unsr religion und recht Lernen und leren im geschlecht,

Rechtsprechen, oder falscher ler Warheit setzen zur gegenwer, Und sein gleich bei ihn wenigr gaben, Denn man zu der schulkunst muß haben,

Ists doch gnug, das sie den anfang Oft behalten ihr lebelang Mit beten, latein, guten sitten, Das sie ihr recht und straf erlitten,

Dabei gewont je lenger je mer, Das man obrigkeit billig er. – Darnach muß man auch wechter setzen Wider all die, so uns verletzen,

Die uns warnen für allen schaden Und nicht verreter heimlich laden, Das ihr, wenn der könig komt her, Euch machet von dem land ins mer. –

Endlich, weil es unmüglich ist, Das man fried hab zu aller frist, Weil unter uns auch selbst viel leben, Die nach unruhe und hader streben,

So muß man kriegesordnnng machen, Richtig bestelln nach allen sachen, Nach emtern befel, man und pferd, Was jedem für besoldung werd,

Wer zuerst und zuletzt auf sei, Wie man dem feind auch komme bei, Wie man dem storch selbst weren solt, Wenn er wider recht handeln wolt,

Und was anders oder dem gleich Nötig würd mer erkant im reich. Das regiment war wol gemacht, Das beim frieden den krieg bedacht. –

Wenn denn jeder sein amt verwalt: Der könig schutz, das recht der alt, Der gemeine man erbeit und neren Und wir alsamt gotfürchtig weren,

Würd got mit uns zufrieden sein, Wolfart geben der ganzn gemein, Jeder im fried und freuden leben, Got wol rat und tat dazu geben. –

Das ist mein bedenken und rat. Den Rülinger gefordert hat. Wolt ihr folgen, es steht euch frei; Wolt ihr nicht, so ists nicht neu,

Das ihr verachtet guten rat Und trauret nach nerrischer tat. Quad, quad, sprecht ihr, wenn ihr was habt; Wenns weg ist, so wars hochbegabt;

Wenn der besem gar ist verkert, So rümt ihr ihn erst erenwert; Was euch got gab, ist nie bedacht, Was er euch nam, ward hoch geacht. –

Die alten stimten überein: Dies sol auch unser meinung sein! Die frösch riefen auch überlaut: O wer Marx hett zuvor getraut!

Marx, Marx, Marx ist der rechte man, Wir nemen Marxn zum könig an, Der weiß das recht, der weiß gelimpf, Mit got und recht ists ihm kein schimpf.

Marx wollen wir gehorsam schweren Und ihn für unsern könig eren!"

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