Dieweil so weret dieser streit Und des königs volk auch anzeucht, Komt Friedlieb, der manliche held, Aus dem haufen ins frei feld
Mit tausend seiner besten mannen, Helt an mit bitten und vermanen: Die schützen wolten zusamn halten, Bis die frösch all das blut bezalten,
Das sie zuvor vergossen hatten, Und was sie an dem könig taten. So sagt er auch zu seinen leuten, Das sie all wolten manlich streiten,
Dieweil die frösch weren verzagt, So würden sie bald gar verjagt. Als er also das volk vermant Und um die frösch zur seit umrant,
Das ihrer keiner kont entlaufen, Erblickt der könig in dem haufen Bausbacken, der sein son ertrenkt Und damit diesen krieg verhengt,
Und rief der guardi heuptman: "Brich hindurch zu Bausbacken an, Das mit meiner faust werd gerochen, Was er an meinem son verbrochen!"
Als dies vernommen jederman, Ward für dem könig die hauptfan Nach könig Bausbacken gewandt In der frösch heer zur rechten hand.
Und obwol der könig bedacht, Wie er sich heimlich davon macht, Wie ihm denn seine helden rieten, Das er entwich des königs wüten,
So fand er dazu keinen weg, Friedlieb verlegt ihm weg und steg, On das etlich verzagte man Mit not stiegen den berg hinan,
Davon Mordax entwich zuvor Und sein leben im tal verlor, Denen der ries doch auch nachstieg Und bergunter stürzt wen er krieg,
Oder mit seiner keul zerschmiß Wer sich am wege finden ließ. Viel auch, wenn sie die hörner sahen So erschrecklich oben ausragen,
Meinten, das er der teufel wer, Liefen zur seit und in die quer, Wie ein haufn staren umherzeucht, Wenn der habicht darunter fleucht.
Indem er die frösch so erschreckt Und sucht, wo jeder sich versteckt, Findt er im busch aus ungeschicht Neun bienkörb von stro zugericht,
So der baursman auf einem bret Am hang zur sonn gestellet het. Dazu füret er seine knaben, Die müssen das bret untergraben
Und es über die seit aufheben, Das die körb anfangen zu beben Und endlich sich all auf einmal Zu den fröschen walzen ins tal,
Als sehe man gerstengarben ringen Oder glocken zum turm ausspringen, Das all ihr vorrat herausschoß Und wachs und honig umherfloß.
Dadurch die bienkünig entbranten Und ihre untertan vermanten, Das sies nicht ließen ungerochen. Sie flogen, brumten, bissen, stochen
Unsinnig auf der frösche heer, Als wenn die luft voll teufel wer, Das die frösch rarten, riefen, pfiffen, Erschrocken durcheinander liefen,
Wie die seu im feld zu tun pflegen Im blitz, donner, hagel und regen. Insonderheit sie ihren rossen Rissen gar erschreckliche possen,
Stachen ihn maul und nas voll beulen, Ließen sie rennen, springen, heulen, Treten, schlagen, zappeln und zagen, Bis sie für tot daniderlagen,
Ihre reuter selber erdrückten Odr aus furcht in die körbe rückten, Und wurden da erst recht empfangen Als wie im storchnest die hausschlangen.
Bei tausend namen so ihr end Odr wurden gelemt und geblendt. Viel meus grieten auch mit ins glach Und wusten nicht wie ihn geschach,
Und wie die bienen dazu kemen, Das sie ihres kriegs sich annemen. Und weil die bienen gar vermessen Ihr spieß dem feind im leib vergessen,
Daran ihr eigen mastdarm hieng Und mit dem eingeweid ausgieng, Mit seiner nadel folgt der fadem, Wie Sanct Erasmus kam zu schaden,
Blieben die all tot auf der stet, So nicht zurückflogen aufs bret. Mitlerweil immer neher kamen Beider könig helden zusamen,
Das allenthalb gab weidliche kappen Und mancher kriegt ein gute schnappen, Das hinpurzelt beid man und roß, Wie ser ihn auch der poß verdroß,
Bis die meus hetten überhand Mit der sonnen und wind beistand, Und die frösch für pfeil, bienen, stein Nicht lenger konten bstendig sein,
Sondern mit gewalt zur seit abdrungen, Ueber ihre leut selber sprungen Und die könig mit wenig mannen Zusam stutzten bei den hauptfanen.
Als nun der meuskönig da fand Den fröschkönig zur nechsten hand, All sein geblüt ihm ins heupt trat, Das er zuvor in füßen hat,
Für bitterm zorn und großem grim Und rief ihn an mit heller stim: "Halt, du blutdürstiger tyran, Hast du nicht böses gnug getan,
Das du mein allerliebsten son, Den einigen erben meiner kron, Erseuft verreterlicher weis? Wilt du noch haben auch den preis,
Das du das ganze meusgeschlecht Ermordet habest wider recht? Das wird got nicht lassen geschehen Und soll dir an dein leben gehen,
Und wer dich meiner, es ist zeit, Du hast mir gnug getan zu leid!" Er antwortet: "Ich bin ein man, Der zun eren antworten kan,
Und hett deim son kein leid getan, Hett er die hend nicht lassen gan Und sich selber gebracht in not, Für wolleben erwelt den tod.
Das du drum in zornigem mut Vergeußt so viel unschuldigs blut Und mir auch darfest den tod dreuen, Hoff ich, sol dich bald gereuen.
Got wird meiner unschuld gedenken, Und dir verdienten lon einschenken!" Darauf sie ihre roß ermanten Und grimmiglich zusamenranten,
Als wenn ein Türk und Deutsche on sprechen Zusamensprengen, copy brechen, Und beiderseit viel tausend man Das spiel mit schrecken sehen an.
Bausback verhoft, mit seiner stangen Den mauskönig wol zu erlangen, Ehe denn er ihn mit seiner rürt; Es überwug aber die bürd,
Das er sie zu tief sinken ließ, Parteckfressr in linken fuß stieß, Daraus sie bald fiel in den fand. Parteckfressr aber noch mer entbrant
Und rant auf Bausbacken gar wilde; Er versatzt aber mit dem schilde, Davon in einem hui die stang Bausbacken in die achsel sprang,
Die Parteckfresser hengen ließ, Und ergrif den sebel gewiß, Wolt ihm den setzen in den nack. Sein son Fromkind gar ser erschrak,
Sprang in eil zwischen beiden ein Und sprach: "Das sol nimmermer sein!" Hielt Parteckfresser arm und wer. Parteckfressr sprach: "Wo komst du her?"
Bausback rief laut: "Ach schon, ach schon! Es ist mein eingeborner son, Ich wil für ihn tun was ich soll." Parteckfressr sagt: "Ich tet es wol,
Nun seh ich, das er noch wil pralen Mit meines toten sons korallen, Die er da fürt an seiner brust: Das sol ihm sein ein kurze lust!"
Damit wandt er sich überort Und gab ihm einen streich sofort, Das der kopf auf der achsel hieng Und er tot hin zur erden gieng,
Das blut auch stürzet hoch empor, Als wenn am brun zerreißt ein ror Und das wasser heraußer dringt Oder stark aus den felsen springt.
Das macht Bausbacken solch ein schrecken, Das sein arm starrten wie ein stecken Und er sein füß selber nicht fült, So bald wurden sie ihm erkült,
Und blut und werm lief zu dem herzen, Zu erleuchten sein bittern schmerzen. Da abr der könig nach ihm strich Und das pferd traf, da er entwich,
Das sich das pferd davon entrüst, Sprang, rief und schlug um sich gar wüst, Stürzt Bausback auch plötzlich vom pferd, Die schwere stang zog ihn zur erd.
Die frösch riefen: "O we und ach!" Die meus riefen: "Gewonnen sach!" – Er wer auch so geblieben tot, Wenn Grünrock nicht in solcher not
Seins königs sich hett angenommen Und zeitig wer zu hülfe kommen; War ein Holst aus der Poggenwisch, Der brach herfür tapfer und frisch
Wider könig Parteckenfresser. "Unsern könig halten wir besser", Sprach er, "das du ihn solt ermorden!" Und rant auf ihn mit diesen worten.
Der schild aber war gut und hart, Das er nicht durchgebrochen ward, Sondern des Grünrocks scharfer spieß Sein spitz obn im rand hangen ließ
Und zum ernst nicht mer dienstlich war; Das Grünrock bracht todesgefar. – Abr mitlerweil traten heran Des Bausbacken getreue man,
Zogen die spießstang aus der wund, Rieben ihm mit frischer erd den mund, Besprachen das blut mit vier namen: Jesod, Haddam, Kearez, Amen;
Satzten ihn auf ein ander pferd Und brachten ihn mit großem beschwerd Ein unbekanten weg zum see. Das tat dem könig heftig we,
Das ihm sein feind so war entgangen; Und ob er gleich verlor die stangen, So braucht er doch den sebel wert, Schlug erst den Grünrock von dem pferd,
Und da er sich an ihm wolt rechen, Des königes roß auch erstechen, Geriet ihm der hieb für der brust, Das der magen mit allem wust
Aus dem leib heufig herausquall Und auf der erd zerzottelt all; Und als Grünrock des königs fuß Im fal ergrif mit eim verdruß,
Hieb der könig ihm gar behend In einem streich ab beide hend. So muß der mutig Holst sein leben Für seines königs wolfart geben,
So kam sein edler leib und blut Der ganzen fröschnation zu gut. Damit die lebendigen werben, Müssen viel lebendigen sterben.
Desgleichen die trabanten all Kamen daselbst auch zu fall, Und viel tausend manhafter helden, Der namen lang würd zu vermelden.
Doch gieng es so: wer erst gewan, Der ward zuletzt ein armer man. Die meus behielten überhand, Das froschblut floß übr alles land.
Die meus aber auch mit unterlagen. Da hört man ein jemerlich klagen: Dem mangelt ein aug, dem hand und bein, Der lag gefangen in dermen drein,
Viel waren in der mitt entzwei, Und das elend war mancherlei. Und war noch weder end noch maß, Man schlug die frösche je mer je baß,
Dieweil ihr könig war entritten Und sie verzagt on ordnung stritten.
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