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Das IX. capitel.

Georg Rollenhagen

"Die eul wolt noch mer davon sagen, So hebt sich ein murren und klagen Und endlich ein mördlich geschrei: Schlag den schelmen die hels entzwei,

Die uns wollen die freiheit nemen, Mit erbeit nach ihrm willen zemen! Wir sind frei und sind niemands knecht, Das ist unser altveter recht,

Und die lauren wolten uns zwingen, Ihr gefallens zur erbeit dringen, Sollen graben und beum abbrechen. Wollens an ihrm fleisch und blut rechen! –

Damit stürzten sie zu ihn nein, Warfen den sand, staub, dreck und stein, Stießen mit schnebeln, brust und klauen, Schlugen mit flügeln man und frauen,

Das keiner bleiben kont am platz Für ihrem mutwilligen tratz. Die nachtigal und lerch allein, Welche singen lieblich und fein,

Wurden von sangvogeln erbeten, Weil sie sonst keine meister hetten. – Der storch aber, sperling und schwalb, Dieweil sie auf der vogel halb

Spürten, das niemand mer wolt horen, Aller guter rat war verloren, Die wolmeinenden würden geschendt Nur schelm und bösewicht genent,

Ja von den ihren mer gefert, Denn sie ihr todfeind selbst beschwert, Die schwuren, sag ich, companei, Das einer bei dem andern sei,

Namen zuflucht zun menschenkinden, Hoffend, mer redlichkeit zu finden, On zu Theb in Böotia Und Bizien in Thracia

Die schwalb ihr nestlein nimmer bauet, Für den örten ihr immer grauet. Theba hat krieg on unterlaß, Zu Biz Tereus sein son auffraß.

Wie der storch meidet Engelland, Fürcht der kaufleut diebische hand. Desgleichen auch die eule tet, Welt auf der kirchen ihre stet.

Das sie da mit herzlichem dauren Der vogel torheit möcht betrauren, Ihre horas im finstern lesen, Wolt bein vogeln am licht nicht wesen.

So helt sies noch in aller welt, On das ihr Candia nicht gefellt, Das ihr volk die warheit veracht Und alle fabeln hat erdacht.

Aber es gieng so wie gesagt: Was vor belacht, ward nach beklagt, Das netz und leim wurden gemacht, Viel tausend vögelein umbracht,

Wie noch teglich itzund geschicht. Das klagen hilft den toten nicht! – Drum wenn die vogel ungefer Die eul noch sehen kommen her,

So fliegen sie mit haufen zu Und machen ihr gar viel unru, Als hett sie den menschen geklagt, Wie sie von vogeln wer verjagt,

Und darum die kunst offenbart, Dadurch der leim erfunden ward. Aber die eul kert sich nichts dran, Sondern greift und beißt wen sie kan.

Und geht also fast unserm kauz, Nach der histori gleiches lauts, Die sich bei unser veter leben Mit der taub und affen begeben."

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