"Die hasen wurden alle fro, Das sich ihr freund erklert also, Und zeigten den hofreten an, Was ihr vetter wer für ein man.
Wenn der könig ihn hören wolt, Untertenig er sich stelln solt. Der vater war auch bald bereit Und verert ihm ein erenkleid,
Das er in seiner spanschen kap Nicht herzög als ein ander lap. Denn wie das kleid, so ist der man: Leicht kumpen leichte lumpen han.
Mit fremden mustern und gewande Gehts alles hin im fremden lande; Daheim aber ein jeder stat Ihr gewonheit in eren hat,
Der sich erbare leut befleißen Und was lendlich ist, sittlich heißen. Darum folgt das kleid seinem lande, Ein erlich mensch seim erenstande.
Damit gieng er zu hof hinan, Als der tag und die stunde kam, So der könig hat ausbenant, Das er ihm solt werden bekant.
Sein vater, vettr und andre mer Geleitn ihn mit besonder er Und machen sich ein großen mut, All sachen solten werden gut.
Da sie nun kamen in den sal, Hieß sie der könig sitzen all Neben seinen junkern und reten; Das sie mit ererbietung teten
Und zerrten all die oren breit, Reckten sie hoch empor und weit, Schurzten die schwenz, stutzten die füß – Der eingang war fein honigsüß.
Dem wandersman aber zuletzt Er einen stuhl neben sich setzt Und sprach: Wir haben gern vernommen, Das du gesund anheim bist kommen;
Wir werden aber auch bericht, Hoffn, es trieg uns die kundschaft nicht, Das du von hochgelerten leuten Hast vernünftig hören bedeuten,
Wie man weislich regieren soll. Nun haben wir zwar regieret wol Mit unsern vorfaren viel jar; Was aber dennoch besser war,
Das hörten wir jederzeit gern. Demnach ist dies unser begern, Das du uns davon dein sentenz Gründlich erklerest on fuchsschwenz.
Das wolln wir in gnadn erkennen Und, wenn du es trifst, unsern rat nennen. – Der student hat sich erst entsetzt, Erholt sich doch wider zuletzt
Auf des königs gnedige red, Stand sittig auf von seiner stet, Bot dem könig gebürlich er Und sprach: Allergnedigster herr,
Das eur majestet mich fordern ließen, Gnedigst meine heimkunft begrüßen Und ferner gönnen gnad und er, Wo ich derselben füglich wer,
Untertenigst ich das annem, Mich ein schuldign diener bekenn. Und ist nicht on, es wird gelert, Das euer majestet begert,
Wie man wol und löblich regier, Es ist die kunst, so ich studier. Dieweil aber das regiment Dem könig selbst leuft in die hend
Und aus erfarung ist bekant, Wie rat und tat wird angewandt, Wer zu lang, das ich, wie man solt, Alle umstend erzelen wolt.
Das muß ich allein davon sagen, Das alle hochgelerte klagen, Es sei tyrannisch und nicht gut, Wo der könig sein willen tut;
Hinwider sei billig und recht, Das er sei der gerechtigkeit knecht, Das er sowol als seine man Dem gsetz und recht sei untertan.
Das algemein gsetz aber ist, Das man halten soll jeder frist, In diesem schlechten kurzen reim Begriffen einfeltig und fein:
Was du von andern ungern hast, Damit tu niemand überlast. Wenn nun jeder helt selber rat, Was sein herz gern odr ungern hat,
Gewiß unser gedanken sind, Das man nicht fare zu geschwind, Sondern unser schwachheit verschon Und die tugend mit dank belon,
Die laster straf mit grechtigkeit, Nicht mit gewalt, aus zorn und neid; Derhalben solt die obrigkeit Vornemlich brauchn gelindigkeit
Gegn arm und reich, gegn alle man, So ihrer macht sind untertan. Als mein meister, der erenwert, Den großen Alexander lert,
Das er teglich mit sich bedecht, Got geb ihm nicht solch macht und recht, Das er seinen mutwillen büst Und alles tet, was ihm gelüst,
Sondern das er solt jederman Guts tun und getreulich vorstan, König und vatr het kein unterscheid, Wenn sie from blieben alle beid. –
Das soltn bedenken alle herren, Ihr gütigkeit on trotz erkleren, Und wenn gleich einer tet ein sünd, Der man gar nicht verschonen künt,
Nicht strafen aus rachgierigkeit, Sondrn aus lieb der gerechtigkeit, Aus lieb gegn seine untertan, Damit sie fried und wolfart han.
Wie man abschneidt ein faule hand, Darin das wilde feur anbrant, Ehe sie den ganzen leib anzündt, Das man nicht wider löschen künt.
Sonst ists ein mord und tyrannei Gleichwie ein straßenreuberei; Wie denn jedem sein gwissen lert, Das seinen eigen man verzert,
Wenn er unrecht gehandelt hat. Got selbst versagt alle gnad Denen, so unrecht urteil fellen, Straft sie auf erdn und in der hellen,
Nimt ihn ihr sterk, gut, herlichkeit, Teilet die aus unter ander leut. Das Esopus, wie einer fragt, Was got im himmel macht, gesagt:
Er bricht die alten töpf entzwei, Macht aus den scherben andre neu. – Drum war kein reich noch macht auf erden, Es wird auch kein gefunden werden,
Da nicht ein sterker über wer; Sein oberman hat jeder herr, Der ihm drauet dieselbe rut, Da er dem andern leid mit tut.
Wie man erfert, das der walfisch Niemals so groß war, stark und risch, Der elefant war nie so greulich, Der drach auch nie so gar abscheulich,
Das tiegertier auch nie so schnell, Der luchs sahe nie so weit und hell, Die schlang hat nie so tötlich gift, Der igel nie so scharfe stift,
Der eber nie so feste hauer Und der ber nie so scharfe krauer, Kein wolf könt so spüren und jagen, Kein fuchs war so klug und verschlagen,
Kein vogel flog so hoch und weit Für alters und zu unser zeit, In summa, kein tier ist bekant, Das nicht kam in der menschen hand
Und endlich in not und verderben, Must im elend jemmerlich sterben, Wenn got sein tun zuwider war Und bewart es nicht für gefar.
Ja die menschenkönig mit wunder Von ihrem tron purzeln herunter, Wie hohe beum und turne fallen, Wie sie blitz und donner anschnallen,
Kommen fremden herrn in henden, Die sie fangen, blenden und schenden Und ihr geschlecht ausrotten gar, Das überbleibt wedr haut noch har.
Denn wo man keine gottesfurcht, Keinen glauben, kein scham und zucht, Kein recht und gerechtigkeit fand, Da hat kein reich, kein macht bestand.
Dagegen die gerechtigkeit Macht einem reich bestendigkeit, Das es kein unfal stürzen kan. Woltat gewint auch jederman,
Das man dem könig nicht nachstellt, Sondern für seinen vater helt. – Fürcht nun der könig niemand mer Und hat allein all macht und er,
Wird er doch, wie er angefangen Und itzt mit mir selber umgangen, Nicht mit zorn, sondern gnad regieren, Mit gleich um recht die straf ausfüren,
Den frommen recht und frieden schaffen, Nach billigkeit die bösen strafen, Keim untertan gewalt zufügen, Sich und sein herrn lassen begnügen
An dem, was got verordnet hat, An früchten, samen und salat Und was wir den feinden abjagn; So hat kein untertan zu klagn.
Sonst könnens die herzen nicht lassen, Den sie fürchten, müssen sie hassen, Und got wird zalen mit ernstem mut Auch das unschuldig hasenblut. –
Der student wolt noch reden fort; Der leu fiel ihm aus zorn ins wort Und sprach: Du wilt uns machn ein grauen Und mangelt dir an zeen und klauen;
Die solt du itzt an uns erfaren Und hinfort deine weisheit sparen. Wir sind drum da, das wir allein Raten, gebieten in gemein,
Das uns hör und folg jederman, Der nicht will alles unglück han. Was seid ihr hasn und eur geschlecht On arme leut und unser knecht!
War dein vater nicht postlakei, Und dein mutter ein dorfmadei? Was hast du bracht on dreschen und waschen? Viel bücher und ein ledig taschen
Und den nerrischen stolzen mut, Das du allein seist klug und gut? Dir soll in der welt jederman, Der könig selbst, sein untertan.
Wie Diogenes, als man fragt, Was er für ein knecht wer, gesagt: Er wer ein knecht, der wissen wolt, Wie man sein herrn regieren solt.
Weißest du nicht, das jeder seel Tun sol der obrigkeit befel? Soln wir das unterst oben keren, Den diener setzen auf den herren?
Soll uns ein schreiber nun regieren, Seins willens bei der nas umfüren, Erst leren bei den benken gehen, Hören, sehen und recht aufstehen,
Als weren wir sonst blind und lam Oder ander leut untertan? Dazu der edl ber, wolf und schwein Viel zu erbar und furchtsam sein.
Das wer uns in dem ganzen land Bei allen herrn ewige schand! Das muß man nicht lassen geschehen, Sonst wird das reich zu bodem gehen
Und der has sein der beste man. Nein, lieber gsell, es geht nicht an! – Damit nam er den armen tropf Gar grimmiglich bei seinem kopf,
Schmiß ihn unbarmherzig zu bodem, Die seel entfur ihm mit dem odem. Die ander tatn einen fußfall, Aber er zutrat, zuriß sie all,
Das keiner von ihn wider kam. Das war das end, so dies spiel nam. – Und komt daher der alte haß, Das noch kein has hat freien paß
Für den leuen und edlen knaben: Sie müssen alzeit unrecht haben, Sich fangen lassen, streifen, braten Und tun doch keinem tierlein schaden.
Darum sie gar verzaget worden, Getreten in der stummen orden Und hinfort nimmermer studieren, Weil sie nur fleiß und geld verlieren.
So setzen die könig den schacht! Das wird alhie billig bedacht."
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