Skip to content
1575

Das III. capitel.

Georg Rollenhagen

Den fürsten vornemlich die red Aus zorn im herzen ser wehe tet Und rieten all in diesen sachen, Man solt den fröschn einen tanz machen,

Das ihnen das hüpfen vergieng Und sie nicht lachten dieser ding. Insonderheit waren ihr vier, Die ihr bedenken brachten herfür.

Der erst des königs vetter war, Hatt krieg gefüret nun viel jar, An sich gebracht viel gut und land Und war fürst Rathülfer genant.

Der sprach: "Herr könig, das ist schwer, Das eur majstet kein sön hat mer, Die das königreich von uns erben, Dieweil wir alten müssen sterben.

Darum wir billig diesen mord Am frosch rechen, das darf nicht wort. Mich wundert aber übermaßen, Das der held sich bereden lassen

Und dem heillosen frosch vertrauet, Ist ihm leider vorlangst gerauet. Man soll sich hüten frühe und spat Für die, so got gezeichnet hat.

Die frösch haben der zeichen viel, Wenn man sich warnen lassen will, Nicht allein an leib und gesicht, Ihr lesterherz ist bunt verstricht.

Das lernt ich an eim abendtanz, Da wir hielten den firlefanz Und die frösch aus der nachbarschaft Gebeten hattn zur geselschaft;

Da hielt sich Blehbauch ser vermessen, Soff sich noch voll über dem essen Und wolt immer dem Schmeckewein Am reihen zu trotz springen ein.

Schmeckwein hielt es ihm zwier zu gut, Sagt: Lieber, das ihrs nimmer tut, Odr wir werden nicht freunde bleiben, Ihr müst eurn spot mit mir nicht treiben!

Aber der mutwill war zu groß, Er sprang ihm für mit einem stoß, Das jungfrau Leckmilch stürzt zu bodem Und ihr im schreckn entfur der odem.

Davon Schmeckwein das herz entbrant, Als wenns mitten im flammen stand, Biß die zeen, zuckts messer, damit Gab ihm zur seiten einen schnitt,

Das lung und leber ausherqual Und er tot hinfiel auf den sal. Da solt man haben spiel gesehen, Die meus und frösch zusamen gehen,

Uebr tot und lebendige klagen, Einander schelten, raufen, schlagen, Die weiber laufen, schreien, raren, Als wolten sie aus der haut faren,

Davon itzund nicht ist zu sagen. Sie brachten mir Blehbauch getragen, Ich solt ihm besprechen das blut, Raten was wer zu machen gut.

Aber er war und blieb stracks todt. Ich ersahe aber in der not, Das sein herz zwar ser war verwundt, Aber auch von schwarz flecklein so bunt,

Als ich funden an keinem tier. Mein vater aber saget mir, Das aller frösch herzen so weren, Und wolt mich dessen ursach leren. –

Denn wie göttinne Laton, Von angesicht und sitten schon, Dem Jupiter geboren wol Freulein Diana und Apoll,

Und in Lycia, da sie was, Mit ihn im wald verborgen saß, Damit sie Juno nicht umbrecht, Die nicht kont noch wolt dulden schlecht

Ihres gemals Jupiters kinder, Der ihrer nicht zeugt desto minder, Trieb sie endlich der große dorst, Wien fuchs der hunger, aus dem forst,

Das sie mit ihren kindern gieng Da sie einen labtrunk empfieng Und kam damit an einen teich, Da ror und weiden wuchsen gleich,

Und da die bauren, die Quadmans, Umkrochen wie eine wilde gans, Ror zu samlen zu ihren tachen Und klein bandweidleinkörb zu machen,

Zum viehe futter, zum mist riedgras, Das ihrer vielen werk da was. Wie nun die sahen, das Laton Ihr töchterlein und kleinen son

An dem ufer daniderlegt, Aufn knien saß, die hand bewegt, Als wolt sie greifen in den graben Und ihr herz mit dem wasser laben,

Das dhitz kinder und sogk beschwert, Matt gemacht und gar ausgezert, Riefen die bauren: Weib, halt ein, Odr es sol dein letzter trunk sein!

Ach, sprach sie, laßt euch doch erbarmen Die kleinen kinder in meinen armen! Nam sie damit und hielt sie dar, Welchs kleglich anzuschauen war,

Weil sie auch weinten gar elend Und von sich streckten beide hend. Die haben nichts denn diese brust Zur lebensnot und nicht zur lust,

Die laßt mich ihn mit wasser füllen, Gönnet mir doch mit gutem willen, Das got selbst gönnet in gemein Den gringsten creaturen sein

Und das euch keinen schaden bringt, Sondern gnug aus der quell her dringt. Ich will kein finger waschen rein, Ich will kein steublein werfen drein,

Nur die dürre zung machen naß; Gönnet mir doch um gotts will das! Dies half nichts bei den losen leuten, Sie sprangen nein zu beiden seiten,

Wolten den mutwillen recht büßen, Rürten den grund mit hendn und füßen, Das aller unflat überschwamm, Fluchten darzu noch one scham. –

Darüber ward die frau entrüst, Das ihr vergieng die wasserlust, Sprach: Weil von bitterm haß und neid Ihr mich lestert zu meinem leid,

So geb got, das zu eim abscheu Für allem neid, aller untreu Und zum exempel böser zungen, Die nichts denn lesterwort ausschwungen.

Ihr schelmen im see bleiben müst, Sitzen in faulem kot und wüst Und one wasser nicht könt leben! So habt ihr straf all gnug gegeben. –

Bald ward der bauren lesterherz Gezeichnet als flecklein mit schwerz, Die zung abgerissen vom gaumen, Blieb an der back bekleben kaumen,

Die haut blieb buntfarbiger art Wie die an kleidern funden ward, Welch die Lappenheuser gepletzt, Mit mancherlei flickwerk besetzt,

Die bein wie füß an gens und enten, Eidechsenklauen an den henden; Und wie sie sich zurückgebeugt, Der frauen das weite maul gezeigt,

So wuchs der kopf da an dem rumpf, Und der hals verlor sich im strumpf, Das maul aber blieb aufgesperrt, Wie sies zuvor aus spott gezerrt.

Da sich also sahen die gecken, Must einer für den andern schrecken, Tauchn sich ins wasser, das die kap Oben hinschwamm gleichwie ein napf,

Und furen aus furcht doch herauf, Namen zu dem hut ihren lauf, Als wolten sie ungern ertrinken, Wider zu ihrer erbeit hinken;

Aber sie wurden viel zu klein Und zu schwach auf dem gensebein, Konten von wasser auch nicht sein, Das bracht ihn zorn und große pein.

Und da sie noch im selben grimm Lestern wolten und schelten schlimm, Die sprach aber verkert vermarkten, Für großer quadheit sie herquarkten,

Schalten Bordax ein morengeck, Das er nicht gewesen so keck Und mit vater Koax im schrecken Das weib in der pfütz könt erstecken,

So weren sie nimmer gefert, Blieben von dem fluch unbeschwert. Nun wers zum quad jar aus, all aus Marktender, kemen nicht zu haus.

Wie denn geschach; sie blieben frösch, Behielten ihr zungengedrösch. – Dies ist denkwirdig, lieben herren, Hab es darum erzelet gern,

Das man ansehe, wie von anfang Die frösch verloren ihren gang, Ihrs neids und lestermauls entgolten, Damit sie auch die götter scholten.

An ihnen ist das sprichwort war, Das oftmals gebraucht unser pfarr: Der seinen abwesenden freund Lestert und schendet wie ein feind,

Der seinen freund verteidigt nicht, Wenn ein ander von ihm übel spricht, Der dichtet was nie ist geschehen, Schweigt nicht was er heimlich gesehen

Oder was ihm war hoch vertrauet, Für solchem man eim billig grauet; Er ist mit schelmenfarb geschwerzt, Für den hüt sich ein redlich herz!

Dies ist, sag ich, an fröschen war, Got wird sie noch vertilgen gar, Und sonderlich wird er ihn zalen, Das sie uns meustier alzumalen

Und unsern könig gschendet haben, Ertrenkt ein solchen teuren knaben. Das wollen wir mit ernstem mut Rechnen an ihrem gut und blut!"

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Das III. capitel. · Georg Rollenhagen · Poetry Cove