"Wie ich nun hab zuvor gesagt Ueber unsern priester geklagt, So gieng es teglich in der tat; Dawider war kein hülf noch rat.
Denn was wir vor der feinde hand An geld und gütern auf dem land Mit not verteidigt hatten all, Das nam er zu sich auf den fall,
Damit zu raten in den sachen, Ein frieden überall zu machen, Wider den feind und alle not Uns vertreten, die seel bei got.
Und war doch mer denn halb erlogen; Wer leichtlich glaubt, wird leicht betrogen. Das wenn der feind uns hett bezwungen Und all beschwerung aufgedrungen,
Könt er uns übler nicht berauben, Als der pfaff tat durch aberglauben; Wie der wolf die gens beten lert Und sie hernach selber verzert,
So wolt der uns selber berauben, Der uns schützen solt bei dem glauben. Und das er dies vermöcht dest ehr, Nam er zu sich des beistands mer.
Es war ein sommer heiß und trucken, Da man wenig gebraucht der brucken, Sondern stracks satzt durch teich und pfützen, So ließ das wasser sich wegnützen;
Im acker floh der staub und sand, Das einer kaum den andern kant. Da fluchtn wir, das nicht regnen wolt, Der südwind weht mer denn er solt,
Bracht auch mit sich ein großen goß, Das jeder grund mit wasser floß. Wir hüpften frölich auf das land, Zu spazieren im feuchten sand,
So werden wir alda gewar Eine überaus große schar Der schwarzen krötlein hin und wider, Als weren sie geregnet nider,
Als wenn sie neu geboren wern Von den kindbettrin zu Salern. Die wolten unser brüder sein. Dazu sprachen wir lauter nein,
Weil sie trugen schwarzgraue kappen Und für der brust befleckte lappen, Nicht hüpften, sondern langsam giengen, Die nasen nach der erden hiengen,
Odr höcker machten auf dem rücken Mit ihrem wunderlichen bücken, Welches bedeutet heuchelei Und ein vergiftes herz dabei.
Aber unser Beißkopf fieng an: Das sind alsamt heilige man, Von got vom himmel abgeschickt – Wol mir, das ich sie anblickt! –
Sie sollen der kirchen vorstehen, Mit auf meins gottes scheflein sehen, Sollen mit mir lesen und beten, In ein geistlichen orden treten.
So ward ein neu kriegsvolk aufbracht, Das uns plündert bei tag und nacht; Die großen kröten, die grob quarken, Wurden cardinel, patriarchen,
Denen man ehe das leben nam Denn was ihr ein ins maul bekam, Die mittel lautschreier carteuser, Grau barfußmünch die klein drecksheuser,
Denen zu eim abzeichen war An füßn und beinen rauche har; Und der stende noch mer denn hundert, Das sich die ganze welt verwundert. –
Noch braucht er ser listige renk, Der ich mein leben lang gedenk, Auf kundschaft durch das ganze reich; Kein könig that je dessen gleich.
Was nur einer auf seinem bett Seim weib ins or vertrauet hett, Kont er erfaren alles gar, Weil die beicht so verordnet war,
Das jeder nach seinem befel Bei eußerstem verlust der seel Viermal must erzelen im jar Sein wort, werk und gedanken bar.
Fiel denn nur für ein wörtelein, Das seim tun wolt zuwider sein, So folgt der bann, war da kein geld; So ist bezwungn die ganze welt. –
Der bann aber war ein gebot, Das der verbant nicht kein zu got, Des teufels wer sein leib und seel; Drum solt man auf der münch befel
Seine gesellschaft ewig meiden, Oder ein gleich verdamniß leiden; Aller er solt man ihn entsetzen, Für einen ketzr und schelmen schetzen,
Im tod begraben als ein hund. Solch urteil sprach des Beißkopfs mund Und schonet weder groß noch klein, Jeder must des gewertig sein.
Ja auch der mechtigst edelman, Dem sich jeder macht untertan, Must für der kirchtür sich ausstrecken, In den staub sein angsicht hinstecken,
Den Beißkopf demütig anbeten Und sich lassen mit füßen treten. Wie der Beißkopf ihm da zuletzt Den fuß trotzig in nacken setzt,
Sprach er: An nattrn und basilischen Wirst du deine fußsolen wischen, Du wirst zertreten one scheuen Die drachen und die junge leuen!
So war Beißkopf gotfürchtig, gütig, Und ward gotlos und übermütig."
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