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Das II. capitel.

Georg Rollenhagen

"Murnern, der katzaner patron, Lert mich kennen mein mutter fron; Ich bat, wie ich noch war ein kind, Wie die kinder, fürwitzig sind,

Sie wolts lassen einmal geschehen, Mich auch lassen die welt besehen, Dieweil ein heimgezogen kind Unverstendig blieb als ein rind,

Wie sie denn oftmals diese wort Vom herrn vater selbst het gehort. Sie weret ab mit hand und mund, Predigt mir viel von katz und hund,

Wie die uns weren so gefer. Ich bat und gilfert immermer, Bis sie zuletzt williget drein, Das ich ein stund möcht von ihr sein,

Warnet doch mich mit ganzem fleiß Und saget von des Murners weis, Das er versteckt im winkel seß Und die meuslein on brot einfreß,

Das wern sein allerliebste speis, Den solt ich ja meiden mit fleiß. Ich schlich unter der wand herfür Nach unsers schlosses vordertür,

Die in des mantiers haus hingieng, Davon es werme und rauch empfieng, Und kuckt heimlich zuerst heraus Wie ein unbewanderte maus,

Ob auch da wer sicher geleit, Odr ob der Murner seß zur seit. So saß im haus im sonnenschein Ein schönes weißes jungfreulein,

Sein euglein glenzten hell und klar, Es leckt und schlichtet seine har, Küsset die hend und wusch sie rein Ueber die zarten wengelein;

Das herz im leib verlanget mir, Das ich nur möcht treten herfür, Dasselb mit adeligen sitten Um seine lieb und freundschaft bitten,

Küssen ihre schneweiße hend: So het al meine sorg ein end. – Es trat aber am platz herum Im haus die leng und in die krüm

Ein erschreckliches wundertier, Dafür die haut erschuttert mir, Vom haupt zu fuß aller gestalt Wie man ein basilisken malt;

Ich dacht, ob das der Murner wer, Der uns meusen ist so gefer. Vornen am kopf war er geschlacht, Wie man die bösen geister macht,

Mit einem krummen spitzen schnabel, Hat füß, geteilt wie ein mistgabel, Und ein zweispitz geteilten bart Nach [des] mantiers greulicher art,

Und auf dem haupt ein glühend kron Mit vil türnen erhoben schon, Und aus dem leib giengen beisammen Ein großer hauf gelber feurflammen,

Gekrümt unten und über sich, Uebraus heßlich und erschrecklich; Damit pranget er über erd, Trat herein wie ein reisig pferd,

Und seiner trabanten wol zehen Giengen alzeit hinter ihm stehen, Doch nicht so statlich ausgemacht, Der könig fürt allein den pracht.

Wie ich nun blieb im löchlein stecken, Dem abenteur zusehe mit schrecken, Fengt er an dem boden zu schnablen, Scharret mit den zween mistgabeln

Und ruft: Guck, guck, curit, merkauf! Da erhob sich ein groß zulauf, Die trabanten waren gar schnell, Zu hören des königs befel,

Reckten auch die köpf zu der stet, Zu sehn was er geschrieben het; Bis der könig mit großem prassen Sprang auf die haustür nach der gassen

Und schlug die arm auf beide seit, Sperret den rachen auf gar weit Und rief, man hets ein meil gehort, Diese drei erschreckliche wort:

Rück, rück ihn heraußer beim kragn! Als het mich der donner geschlagn, So stürzt ich zu dem loch hinein, Lief zu meinem frau mütterlein.

Die erschrak und fragt, was mir wer, Das ich fast het kein atem mer Und also ser fieng an zu beben; Wolt mir erzenei fürs schrecken geben.

Ich sprach: O mutter, der Murner Hat mich erschrecket also ser, Das ich schier nimmer atem hol; Wie habt ihr mich gewarnt so wol! –

Was tat er denn? die mutter sprach. – Ich sagt: Im haus ich sitzen sach Ein zartes schönes jungfreulein, Im weißen pelzlein artig fein,

Das schmückt sich mit geleckter hand; Ich het mich gern zu ihm gewandt Und um ein kuß freundlich gebeten, So kömt der Murner hergetreten

Mit gabelfüßen, mit der kron, Mit brennenden schwanz angeton, Das mich daucht ser erschrecklich stehen. Der schelm het mich im loch gesehen,

Springet auf die tür und rufet laut, Wenn ichs gedenk, graust mir die haut: Rück, rück ihn heraußer beim kragn! Damit wolt er sein dienern sagn,

Das sie mich solten nemen an; Und sie hettens warlich getan, Wenn ich nicht bald entlaufen wer; Davon bin ich erschreckt so ser. –

Da sagt die mutter: Liebes kind, Die so schrecklich anzusehen sind, Die tun uns meusen nichts zu leid; Die aber dichten freundlichkeit,

So leis und lieblich einher schleichen, Die hendlein küssen, wilkom reichen, Die sind giftige creatur, Teufl unter englischer figur,

Die sind geferliche katzen, Die vorn lecken, hinten kratzen. Judaskuß ist geworden neue, Fürt gute wort, helt falsche treue;

Der dich anlacht, der reist dich hin: Das ist dieser welt weis und sin. Das jungfreulein, das so schön war, Bringt uns meuschen die gröst gefar,

Futtert sein pelz mit unserm blut, Got sei dank, das er dich behüt!"

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