Da Aschanes mit seinen Sachsen Aus dem Harzfelsen ist gewachsen, War mitten in dem grünen wald Ein springends brünlein süß und kalt,
Das an dem Falkenstein her floß, Sich in ein großen see ergoß Und da am warmen sonnenschein Wessert vil beum und blümelein,
Vil frösch und fisch, vil krebs und schnecken. Das ror wuchs wie die haselstecken, Bei narrenkolben, schilf und weiden, Bei kreutern schwer zu unterscheiden,
Als obs das Schilfmer selber wer, Dadurch Moyses fürt gottes her, Das nicht allein die nachtigal Da sang, das klang in berg und tal,
Sondern rorsperling und grasmusch Und andere mer im finstern busch Ihr nest und wonstet so besungen, Das die stimmen gegn himmel klungen
Und im wasser der widerhal Sein antwort gab mit freudenschal. Daselbst von vilen alten jaren Die frösch der herschaft mechtig waren,
Das Sehebold Bausback wol gedacht Hof hielt mit königlicher pracht Und der ganzen frösch nation Auch untertan war seiner kron.
Wie nun anfieng der grüne mai, Wolt der könig von sorgen frei Mit seines hofes dienern al Ein freudenspil halten einmal.
Und satzt sich aus dem sonnenschein Besonders hin von der gemein Auf ein hügel mit grünem mos, Ueberwachsen schön weich und los,
Das die bachmünzen und polei Auch schatten gnug machten dabei, Und ließ vor ihm seine trabanten Und die seine herschaft erkanten
Sich da üben im ritterspil, Da kurzweil auch treiben gar vil Mit wassertreten, untersinken, Mit offnem maul doch nicht vertrinken,
Ein mück in einem sprung erwischen, Künstlich ein rotes würmlein fischen, Auf gradem fuß aufrichtig stehen Und also einen kampf angehen,
Einander mit tanzen und springen Im großen vorteil überwinnen. Etlich die unterlefs auch hiengen In see und fiengen an zu singen:
Sol fa, ut ut, sol fa, sol ut, Concordia ist zu allen dingen gut, Zu guter stund sing alt und jung, Concordia klunkerlekunk.
Dazu quakten im nassen gras Etlich den untersatzten baß, Fürwar ein tor derselbig war, Der lieber ausstund al gefar,
Denn das er concordiam bewart, Veracht Coard, Morx, Marx, Marquard. Die andern den zuwider taten, Ans ufer aus dem wasser traten,
Damit sie zu den andern singen Die regalstim könten einbringen, Riefen: das hat getan gar gecksch! Koachs, Wrecke, Vky, Kekechs,
Ryller, Tryller, Kulo, Tulunk, Das beklaget sich alt und jung. Zerten so mit dem wasserklang Die waldvöglein zum kampfgesang,
Das man durch wassr und wald dis krachen Ein wunderfreudenschal hört machen, Wie jung gesellen zu sommerszeit Am wasser und wiesen suchen freud,
Wie auf den schulen die studenten Baden und tauchen gleich den enten, Schwimmen künstlich wie gens und schwanen, Fischen, faren im schif und kanen,
Fechten, schlagen bal, springens kleid, Wissen von keiner traurigkeit, Singn auch ihr vilstimmige reien In pfeifen, zithern, lauten, geigen
Fein kunstreich nach der Musen art; Kein frölicher volk funden ward: Also taten die fröschlein auch, Hielten on sorg ihr spil und brauch.
Wie selig war die gülden zeit Da in der ganzen welt die leut Lebten in fried und frölichkeit Also ohn alles herzeleid!
Indem aber die wasserkind Also aufs spil bestürzet sind, Und die sonne von oben rab Nimmer den kürzten schatten gab,
Aber die allergröste hitz Stieß aus des himmels mittelspitz, Kam aus dem wald ein kleiner man, Hat ein schön weißes pelzlein an,
Rote korallen um den hals, Ein leibgürtel vergüldet als, Und fürt ein schwenzlein als ein schwert, Trabet herein er wie ein pferd,
Und gieng den andern allen für, Denn es folgten noch andre vier, Mit aschenfarben pelzelein, Solten seine trabanten sein.
Der eilet durstig zu dem see, Denn der sonnen hitz tat ihm wehe, Und sprang zum wasser ab vom land, Lenet sich auf die linke hand,
Neigt das heupt, das sein kleiner bart Vol wassers als vol perlen ward, Weil er ihn gar ins wasser steckt Und dasselbige so geizig leckt,
Als wens zucker und honig wer. Das zünglein wand sich in die quer, Wischet das neslein und den mund, So weit es den abreichen kunt,
Und schmatzet wie die kleinen kind, Wenn sie an der mutter brüst sind. "Wie schmeckt nur das Wasser so süß", Sprach das menlein, "wie ein milchmus,
Wenn mans mit dem durst würzen mag, Wie ich getan hab disen tag! Nun glaub ich, das Darius spricht: So wol hab ihm geschmecket nicht
Was er sonsten sein lebelang Zuvor und hernach aß und trank, Als das trüb wassr, so in der flucht Sein durst zu leschen ward gesucht."
Das sahe und hört ein frosch von fern, Fur ab zum könig seinem hern, Saget, das aus dem wald ins ror Fünf menlein weren gangen vor,
Als obs der kleinen zwerglein weren, Ihr vier nanten den fünften herren, Der het ein westerhemdlein an, Zwar klein aber ein schöner man,
Trugen al türkische knebelbert, Auch oren als ein mutig pferd, Und hendlein wie der menschen kind: Wust nicht woher sie kommen sind.
Das Wasser würd ihn sehr wol schmecken, Soviel als sie desselben lecken. Der könig schickt Grünrock, zu sehen Und starker trabanten achtzehen:
Weren sie feind, solt er sie fangen, Wo er sie anders möcht erlangen; Weren sie aus der nachbarschaft Ankommen in lieb und freundschaft,
Solt er sie zum gesprech herbitten, Weren bei ihm gar wol gelitten. Sie sprungen ab zum see in eil, Schossen hinaus gleich wie die pfeil,
Ihrem kindschaffer immer nach, Zu verrichten befolne sach. Bald ward Grünrock der fünf gewar, Sprach: "Dise reis ist on gefar,
Es sind meusmenlein, wie ich sehe, On das eins weiß ist als der schne, Das bin ich bei ihn ungewont, Schaut wol, das ihr derselben schont
Und ihrer keinen tut ein leid, Ehe denn wir hören gut bescheid. Laßt mich sie erstlich sprechen an, Ich wil gar bald prüfen den man."
Dem menlein dis ein wunder war, Was doch bedeut der frösche schar, Die so rottenweis herzukemen. Sein diener wolten die flucht nemen.
Das wolt das herlein nicht gestehen, Sondern zuvor den ausgang sehen. Wie nun die frösch ans ufer kamen, Aus dem wasser den auftrit namen,
Trat das herlein mutig hinan, Sprach: "Ho glück zu, mein lieber man! Ich bin an euren see ankommen, Hab ein frisches trünklein genommen,
Weil ich dürstig war von der jagd, Und het doch gern kundschaft gefragt, Wie es doch nur immerhin kem, Das ich euer keinen vernem;
Vermeint, ihr het ein traurigkeit, Klaget beisamen euer leid. Nun seh ich ja, das ihr dismal Frisch und frölich ankommet al,
Dessen ich mich samt euch erfreue Und euer ankunft gar nicht scheue. Kan ich euch für den wassertrank Widrum erzeigen einen dank,
So tue ich das on al beschwern Wil euch zu eren dienen gern. Dankbarkeit ist eine schöne tugend, Zieret das alter und die jugend;
Wen man undankbar nennen kan, Dem henget alle laster an." Der Grünrock samt seinen geferten Meuler und augen weit aufsperten,
Verwunderten sich übr die red, Die das weise pelzmenlein tet, Und sprach: "Gnad Herr, wir sind ankommen, Das unser könig gern vernommen
Eur erenfeste gegenwart, Begert in gnadn, wolt unbeschwert Euch nennen, und ihr majestet Besuchen, da sie jetzt zur stet
Am ufer wartet der ansprach, Es ist ja eine erliche sach. Das aber auch unser seetrunk Wolgeschmakt eurem herzen jung,
Hören wir und gönnens euch gern, Fordern dafür auch kein verern. Denn wie die son und lust ist gmein, Sol auch der trank des wassers sein:
Das unser voreltern für jaren Mit ihrem großen leid erfaren. Nur das ihr seid unser freundschaft, Haltet getreue nachbarschaft."
Das menlein sprach: "Ists, wie ihr sagt, Das eur könig mein namen fragt Und mich selber wil reden an, So wil ich mit euch zu ihm gan.
Fürt mich nur hin zu land mein straß, Im wasser weiß ich keinen paß. Denn ich bin des meuskönigs son, Hab daheim mein scepter und kron.
Das ihr aber so gar freundlich Jetzt gegen mir erzeiget euch, Ich gar zu großen dank annem, Hab dafür jetzt kein gab bequem,
On etliche früereife kirslein, Die schenk ich euch da in gemein, Die hab ich auf der jagd erstigen, Die abgefallen lassen ligen.
Der kern taug an den kirsen nicht, Die man nicht mit der hand abbricht. Ich hab auch süß erdber dabei, Nur ein hendlein vol oder drei."
Damit grif er seinem trabant In die weite tasch mit der hand Und bot ihn die vererung dar. Sobald die frösch wurden gewar
Die schöne rotefarbe bern, Kont sich das herlein kaum erwern, Das sie ihm nicht die hand erschnapten, So geizig sie alle zutapten,
Und dankten für die mildigkeit, Erboten ihre dienstbarkeit. Weil sie also die berlein schlungen, Hat sich die post zurückgeschwungen
Und dem könig vermeldet schon, Das ankem des meuskönigs son. Darum gieng der könig herfür Bis an desselben ufers tür,
Das er ihn erlich wolt empfangen. Neben und hernach kam gegangen Der hofdiener eine große schar, Des gastes al zu nemen war,
Wie der priester Jaddus verwegen Dem Alexander gieng entgegen. Der jung könig, als er gesehen Den froschkönig zu ihm angehen
In seinem grünen sommerkleid Mit goldbremlein zu jeder seit, Und augen wie der morgenstern Schön herfürgleißen in der fern,
Dazu den buntfleckten haufen Der frösch, die al kamen gelaufen, Wie im herbst rottenweis die krahen, Wenn sie am speten abend sahen
Reinken fuchs zu felde ligen, Mit eim geschrei herum herfliegen: Entsetzt er sich erst wol etwas Das er gemacht keinen verlaß
Mit seinen dienern, die gar bald Auch kommen würden aus dem wald, Wo sie ihn doch ansprechen solten, Wenn ja die frösch untreu sein wolten.
Er gedacht aber: "Es ist uner, Das ein könig verzagt wer, Du wilt hintreten one scheue, Des mans gegenwart schreckt wie ein leue",
Und braucht damit höfliche geberd, Wands angesicht züchtig zur erd, Faß mit der rechten hand die brust Und neiget sich, wie er wol wust.
Nachmals credenzt er in dem stand Dieselbe seine rechte hand, Gab sie dem könig, der zuvor Sein hand ihm da anbot empor
Und sprach: "Bis wilkom, lieber gast, Setz dich daher zu mir in rast Und ruhe wol aus die mattigkeit. Deine reis ist on zweifel weit,
Denn ich dich zuvor nie erkant." Damit nam er ihn bei der hand Und setzt sich neben ihn ins gras, Da das weiche mospolster was.
Das menlein sich in eren wert, Setzt sich doch endlich auf die erd. Die diener warten auf von fern, Wolten ihr wort anhören gern,
Wie auch die fröschlein allesamen Mit großem drang heranher kamen, Das für getümmel an dem ort Niemand höret sein eigen wort.
Der könig aber gab ein zeichen, Das sie plötzlich al müsten weichen Und jederman zur seit abgehen; Nur vier trabanten blieben stehen.
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