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Das I. capitel.

Georg Rollenhagen

"Der dritte frosch, fürst Wolgemut, Hielt der bedenken keins für gut, Riet ganz und gar das widerspiel, Schoß auch nicht ser weit übers ziel;

Es hört ihn auch gern jederman, Denn sein tun stund im tapfer an; Ob gleich die andern zween von jaren Noch wol ein gut teil elter waren;

Und fieng an zu reden mit fleiß Von der sachen folgende weis: Lieben herrn, ihr habt erfaren Mancherlei ding vor alten jaren,

Drum hab ich von unsern ratschlagen Euch vielerlei red hören sagen, Die mir alsemtlich wolgefallen, Und will nur kurz von denen allen

Mein einfeltig meinung erkleren, Dieweil solchs die herren begeren, Der ungezweifelten zuversicht, Es werd die herrn beschweren nicht.

Denn so manch kopf, so mancher sinn, So mancher mund, so manche stim. Allein vernünftige weisheit Bedenkt in alln den unterscheid.

Dahin ich denn mein red auch setz, Das jeder sie, wie er will, schetz, Daraus das nützlichste erwel, Das regiment aufs best bestell. –

Ich les in den alten geschichten, Darnach neu leut sich billig richten: Als Prometheus, des Japhets son, Das feur herab bracht von der sonn

Mit großer mühe und viel gefar Und ließ es herfürleuchten klar, Wolt zufallen ein wilder man Und die schöne leuchtende flam

Aufs allerholdseligste grüßen, Aus lieb und freud herzen und küssen. Aber Prometheus ihn wegtriebe Und riet, das er zurücke bliebe,

Odr es zündet an har und bart Und blies ihm auf am kinn die schwart; Wie auch der wilde man befand, Das ihm maul und nasen verbrant,

Und flucht darum dem Prometheus Allerlei unglück, plag und beuß, Das er die böse list erdacht, Solchs schön übel dem menschen bracht.

Aber Prometheus leret sein, Das im feur kein übel kont sein. Wenn man desselben, wie man solt, Mit vernunft wol gebrauchen wolt,

Sondern unzelig nutzbarkeit Beide zur notdurft und zur freud, Wenn man mit seines lichtes schein Durch alles finster sehe hinein;

Die hitz auch werm, und speis bereit, Fordert alle kunst und erbeit. Mir kamen gleich im sinn die wort, Da ich euer reden anhort,

Von übelstand der policei, Bei welcher stets zu fürchten sei So viel unglück, so wenig frommen, Wenn ein misbrauch dazu solt kommen.

Denn ob man wol in allen sachen Alzeit soll ein vergleichung machen, Was guts und bös wer zu bedenken, Wenn sichs zur link odr recht solt lenken,

Das man dest ehe das best könt sehen, Wenn gut und bös beinander stehen; Was du tun wilt, tue mit bedacht, Und den ausgang zuvor betracht.

Dennoch sol man auch den misbrauch Nicht aufmutzen so wild und rauch, Das man des rechten gbrauchs vergeß, Odr ihm gar zu wenig zumeß.

Denn es bleibt jeder ordnung schlecht, Man tu ihr auch ihr eigen recht, Wie sie gemeint ward von den allen, Die sie ihnen lassen gefallen.

So sind sie alle nütz und gut; Wer sie schendet, ser übel tut. Wenn jeder lebet in freiheit, Und die ganze gemein alzeit

Mit gemeinem rat alles macht, Es ist ser gut und wolbedacht. Viel land und stet dasselbe taten, Und ist ihnen ser wol geraten,

Das bei ihnen tugend und ler Fast allein fand ihrn schutz und er. Wenn auch wenig der besten man Des regiments sich nemen an

Und alles mit vernunft regieren, Es muß jeder den vorteil spüren. So lang Rom, die berümte stat, Auf diese weis auch riet und tat,

Warn tun und lassen wol bestellt, Sie ward mechtig der ganzen welt. Also auch wenn ein könig wer Ueber ander allein ein herr

Und sie regieret recht und wol, Billig das jeder rümen sol; Aber wenn diese all sein gut Und keines von ihn übel tut,

So laß ich mir unter den allen Das königreich besser gefallen, Und hoff euch allen zu beweisen, Das man dies für andern sol preisen."

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