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1637

Joel 2, 13.

Johann Rist

Geh' in dein Hertz, O Menschenkind, Dein Elend zu betrachten; Wie bist du doch so toll und blind, Daß du gahr nichts machst achten

Dein ewigs Heil, da du doch wol Um zeitlichs dich beklagest, Nicht aber, was die Seele sol Erhalten, eifrig fragest,

Noch ob du Gott behagest. Dein Bühssen, das mus hertzlich sein Mit Weinen und mit Fasten; Gott schaut dir recht ins Hertz hinein,

Woselbst Er solte rasten. Dein Leib und Seele müssen sich Der Nüchterkeit befleissen, Damit du könnest inniglich,

Das heist ohn alles Gleissen, Dein traurigs Hertz zerreissen. Ein solches Fasten, Reu und Leid, Ein solcher Glaub' und Behten,

Die können ja zur bösen Zeit Viel Elend untertreten. Wen Gottes Zorn die Länder plagt Mit Theurung, Krieg und Sterben,

So wird Sein Grim hiedurch verjagt, Daß wir nicht gantz verderben, Besondern Gnad' erwerben. Wen mange Trübsahl komt heran

Und wir kein Hülffe wissen, Welch' uns davon befreien kan, So sol man sein beflissen, Durch ernste Buhsse Tag und Nacht

Des höchsten Grim zu brechen; Den wahre Buhss' hat grosse Macht, So stark ihm zuzusprächen, Daß Er Sich nicht mag rächen.

Wen Gott die böse Länder plagt, Pflegt Er darnach zu sehen, Ob niemand kommet, der sich wagt Und für den Riss wil stehen.

Er forschet, ob nicht einer sei, Der sich zur Mauren mache Der durch sein Klag- und Buhsgeschrei Bei diser bösen Sache

Mit behten treuligst wache? Solch' eine Maur war Daniel Der grosse Mann, zu nennen, Als er begunte klahr und hell

Die Sünden zu bekennen, Womit sein Volk schon lange Zeit Gahr schändlich sich beschmitzet, Wodurch den die Gerechtigkeit

Des Höchsten war erhitzet, Welch' Ihre Pfeil gespitzet. O Land, stell' eine Fasten an, Ruff' alles Volk zusammen;

Laß schauen, ob man leschen kan Des Eyfers heisse Flammen? Der Bräutigam mus itz nur bald Aus seiner Kammer lauffen,

Die Priester kommen jung und alt, Die Kinder auch mit Hauffen, Ob Gnad' hiedurch zu kauffen? Doch was sol ein zerrissnes Kleid

Für Gnad' und Huld erwerben? Den angemahsste Klag und Leid Erlösen nicht vom Sterben: Nur Gott, der wil von jederman

Die Sünd' erkennet haben, Damit Er desto besser kan Diselb' ins Meer begraben Und die Zerschlagne laben.

Recht fasten heisset Sünd' und Schand' Aus allen Kräften hassen Und thun den Lüsten Widerstand, Sich Gott allein gelassen,

Sich üben in Barmhertzigkeit, Gedültig sein in Schmertzen, Erweisen Treu zur jeden Zeit Und zwahr von gantzem Hertzen:

Recht bühssen ist kein Schertzen. Gleich wie dem Hertzen weh' es tuht, Wen es fühlt tieffe Wunden, Recht so sol uns auch sein zu Muht',

Im Fall' uns hält gebunden Die Sünd' und Bösheit manger Ahrt. Da mus nun sein zerschlagen Das Hertz; und wer' es noch so zahrt,

So mus es sonder Klagen Die Straff' auch willig tragen. Ein solches Hertz, mit Reu geschmükt, Kan Gott allein gefallen;

Es wird in Seiner Lib' entzükt Und siehet dis für allen, Daß nur sein sündlichs Fleisch und Bluht Mag wol gekreutzigt werden:

Alsden ist Gott sein höchstes Guht Im Himmel und auf Erden; Kein Feind kan ihn gefehrden.

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