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1637

Joel 2, 12. 13.

Johann Rist

Ihr Sünder, geht herfür, Die Straff' ist für der Thür': Itz nahen Angst und Schmertzen. Drum kehret euch von Hertzen

Zu dem, der euch gegeben Witz, Nahrung, Fried' und Leben. Des Lebens gantze Zeit Sol man mit Frömmigkeit

Und Buhsse recht verschliessen, Dafern man wil geniessen Des Allerhöchsten Segen, Worann so groß gelegen.

Heut' ist der rechte Tag, Daran ein jeder mag Die Gnadenquelle finden, Die niemahls auszugründen,

Welch' alle Sünder labet Und herlich sie begabet. O thörichts Volk, vernim, Was sagt des Herren Stimm':

Itz ist das Stündlein kommen, Da du wirst angenommen; Itz must du schmertzlich bühssen, Viel Thränen auch vergiessen.

Gedenk an deine Pflicht, Spahr' itz die Buhsse nicht, Bis Krankheit dich beschwehret, Ja gahr dein Fleisch verzehret.

Verzeuch nicht, from zu werden, Du Hand vol Staub und Erden. Sprich nicht: Ich bin noch stark, Es ist ja weit zum Sark'.

O thörichte Gedanken! Der Tod zerreist die Schranken Des Lebens, daß wir sterben Und unbekehrt verderben.

Du gehst nach eitlem Wahn, Mensch, in der Sündenbahn: Laß ab von solchen Wegen, Die Gottes Grim erregen.

Hör' auf von Sündenwesen, Alsden wirst du genesen. Wer Gottes Angesicht In Demuht sihet nicht,

Wer nicht sein Hertz außschüttet Und üm Vergebung bittet, Der wird nicht wie die Frommen Zu Gnaden angenommen.

Es mus von Hertzen gehn, Im Fall' hie sol bestehn Das Bühssen und Bekehren, Wie dise Wohrt' uns lehren.

Es heist „von gantzem Hertzen“, Hie gilt fürwahr kein Schertzen! Ach das so manger Christ Ein grober Heuchler ist,

Der sich zum Schein nur stellet, Als wen er sich gesellet Zu längst bekehrten Leuten, Die nie von Gott abschreiten.

Gott als der Warheit Mund Schaut auf des Hertzens Grund. Drum last uns sonder Gleissen Auch unser Hertz zerreissen

Und nicht, wie vielmahls leider! Geschieht, nur bloss die Kleider. Wenn man nun dergestalt Gleich wird für Trauren alt,

So kan man klährlich spühren, Wie Gott pflegt zu berühren Den Geist, der, gantz zuschlagen, Nach Ihm allein mus fragen.

Barmhertzig, gnädig, guht Ist Gott, der willig thut, Was wir von Ihm begehren. Drum sol uns nicht beschwehren

Die Straff' und Lohn der Sünden, Sein Grim mus oft verschwinden. Sind gleich der Sünden viel, So hat dennoch kein Ziel

Des Allerhöchsten Gühte: Sein freundliches Gemühte, Das ist so reich von Gnaden, Das uns kein Feind kan schaden.

O Lib', O Freundligkeit, Welch' unser Hertz befreit Von Trübsahl, Angst und Schrekken, Laß meinen Geist doch schmekken

Dein Freudenöl' im Leiden: So scheid' ich ab mit Freuden.

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