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1637

Die Siebende und Letste Andacht

Johann Rist

Bleiches Antlitz, sei gegrüsset. Ach es fliesset Heisses Bluht die wangen ab, Welche Schmertzen Gottes Sohne

Seine krohne Gantz vol scharffer Dörner gab! Ach! wie ist sein Haubt zuschlagen! Es muß tragen

Der verfluchten Speichelkoht: Der ein König ist gebohren, Hat verlohren Allen Pracht in dieser Noht.

Der so lieblich pflag zu blüen, Den bemühen Schläge, peitschen, schmach und pein: Hier ist nichts als Haut und Knochen

Unzerbrochen, Welch' ein Bild deß Todes sein. Jesu, der du so geschlachtet Und verachtet

Wegen Meiner Sünde bist, Du kanst durch ein freündlichs blikken Mich erquikken, Wen Mich Sorg' und kummer frist.

HERR, du wollest durch dein Leiden Stets Mich weiden Als ein Schäfflein Deiner Heerd'; Hast du doch aus deinem Munde

Manche Stunde Milch und Honig Mir beschert. Ach du wollest nicht verschmähen Diß mein flehen,

Weil die Stunde komt heran, Da du wilt die welt verlassen; Ich muß fassen Dich, so lang' Ich seüftzen kan.

Laß dein Haubt zu Mir sich neigen, Anzuzeigen Deiner Liebe treffligkeit; Laß Mich unterm kreütze sterben,

Lass Mich Erben Gottes Reich nach dieser Zeit. Ewigs loben müss' erklingen Durch mein Singen

Dir, O Jesu, Gottes Sohn. Günne Mir, was Ich gebehten, Laß Mich treten Unverzagt vor deinen Trohn.

Laß mich auß der Welt doch scheiden, Herr, mit freüden, Laß Mich ia den Tod nicht sehn: Laß mich seine Macht nicht schmekken

Noch erschrekken, Wen Ich sol von hinnen gehn. Jesu, du stehst Mir zuer Seiten, Zu begleiten

Meine Seel' in Gottes Hand. O wie werd' Ich vor dir Singen, Klingen, Springen Dort im rechten Vaterland'.

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