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1908

Streit

Joachim Ringelnatz

Mächtig ist die Ehrlichkeit. Glückt es listigen Gewalten, Sie im Gradweg aufzuhalten, Immer nur für kurze Zeit.

Doch die kurze Zeit kann lang sein, Länger als ein Flügelheben, Länger als ein wartend Leben, Und das Ehrliche kann bang sein.

Die um Falsch und Ehrlich deuten, Ältere mit jüngren Leuten, Irreleitend, irrgeleitet, Wie's um Falsch und Ehrlich streitet – –,

All die Zeit, die sie vergeuden, Könnte die mit Lustspielfreuden Besser ausgenossen sein? Ich sag: Nein!

Wenn ich doch so ehrlich wäre Wie ein neugebornes Kind, Und mich trüge dann ein Wind – Freiballons – ins Ungefähre.

Schlag mich einer flach und breit: Mächtig ist die Ehrlichkeit.

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