Skip to content
1908

Silvester

Joachim Ringelnatz

Es gibt bei Armen und Reichen So manche Herzen bang und still; Aus manchem dieser Herzen will Die Sorge nimmer weichen.

Ich bin einer neuen Idee auf der Spur Und überlege sie sehr: Man sollte armen Leuten nur Gutes tun oder sagen,

Ohne vorher oder hinterher Nach ihnen zu fragen. Wer hat das wohl zuerst bestellt, Was nun so glatt sich leiert:

Daß jeder Stand und alle Welt Terminlich trauert und feiert. So wünschlein-pünschlein den andern gleich Will ich mich nüchtern betrinken,

Um gegen Morgen durchs Federweich In Kaktusträume zu sinken. Etwa: Daß eine Mutschekuh, Die vollgefressen mit Heu war,

Mein Zimmer betrat und rief mir zu: „Prost Neujahr, Herr Doktor, prost Neujahr!“

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Silvester · Joachim Ringelnatz · Poetry Cove