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1908

Rettende Insel

Joachim Ringelnatz

Wenn Parteien sich und Massen Sichtbar und geräuschvoll hassen, Klingt das mir wie Meeresrauschen. Und dann mag ich henkelltrocken

Still auf einer Insel hocken, Die mich zusehn läßt und lauschen. Nicht, daß ich dann etwa schürfe Oder was dazwischen würfe

Oder schlichten wollte, nein, Nein, ich weiß, das muß so sein. Und ich dehne mich und schlürfe Eingefangnen Sonnenschein.

Wechselnd laut und wieder leise Rauscht das Meer in weitem Kreise Mir vertraute Melodie. Wo blind oder falsch gestempelt

Mißklang sich an Mißklang rempelt, Windelt neue Harmonie. Und dann schwimmt – fast ist es schade – Noch ein Mensch an mein Gestade,

Sucht an meiner Pulle Halt. Aus ist die Robinsonade, Denn nach Insulanersitte Sag ich unwillkürlich: „Bitte!“

Und ein zweiter Pfropfen knallt. Und wir trinken. Es gesellen Andre sich dazu. Die Wellen Glätten sich. Der Haß zerstiebt.

Bis zuletzt in süßer Ruhe Niemand noch was in die Schuhe Andrer schiebt, Und sich alles gegenseitig

Eingehenkellt ganz unstreitig Duldet, gern hat oder liebt.

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