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1908

Ostern

Joachim Ringelnatz

Wenn die Schokolade keimt, Wenn nach langem Druck bei Dichterlingen „Glockenklingen“ sich auf „Lenzesschwingen“ Endlich reimt

Und der Osterhase hinten auch schon preßt, Dann kommt bald das Osterfest. Und wenn wirklich dann mit Glockenklingen Ostern naht auf Lenzesschwingen, – – –

Dann mit jenen Dichterlingen Und mit deren jugendlichen Bräuten Draußen schwelgen mit berauschten Händen – – – Ach, das denk ich mir entsetzlich,

Außerdem – unter Umständen – Ungesetzlich. Aber morgens auf dem Frühstückstische Fünf, sechs, sieben flaumweich gelbe, frische

Eier. Und dann ganz hineingekniet! Ha! Da spürt man, wie die Frühlingswärme Durch geheime Gänge und Gedärme In die Zukunft zieht

Und wie dankbar wir für solchen Segen Sein müssen. Ach, ich könnte alle Hennen küssen, Die so langgezogene Kugeln legen.

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