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1908

Offener Antrag auf der Straße

Joachim Ringelnatz

Ich habe einen Frisiersalon. Komm mit. Dort wollen wir knutschen. Ich wollte, ich wäre ein Malzbonbon Und du, du würdest mich lutschen.

Wir geben dem Lehrbub den Nachmittag frei Und schreiben „Geschlossen bis sieben“. Ich habe Rotwein im Laden und drei Dicke Roßhaarsäcke zum Lieben.

Ich werde dich unentgeltlich frisiern Und dir die Nägel beschneiden. Du brauchst dich gar nicht vor mir geniern, Denn ich mag dicke Fraun leiden.

Ich habe auch Schwarzbrot und Butter und Quark Und außerdem einen großen – – Donnerwetter, sind deine Muskeln stark! Du, zeig mal: Was hast du für Hosen?

Wenn du dann fortgehst, bedanke dich nicht, Sondern halt es mit meinem Freund Franke. Der sagt immer, wenn man vom lieben Gott spricht: „Wem's gut geht, der sagt nicht danke.“

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