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1908

Morsche Fäden

Joachim Ringelnatz

Zu einem Trödler Kam ein Greis mit einer sauern Gurke, Sprach: „Ich bin ein Gnadenbrötler

Bei einem Bauern. Der ist ein Schurke. Diese Gurke bringe ich aus Not. Kleine Knöpfe möchte ich dafür.

Denn man kann sich nicht mit Gnadenbrot Knöpfe kaufen für die Hosentür.“ Und der Trödlersmann verschmähte Nicht die Gurke noch des Greises Wort,

Denn der kam ihm sehr bedürftig vor, Sondern bückte sich und nähte Hundert goldne Knöpfe ihm sofort Eigenhändig an das Hosentor.

Und der Greis sprach: „Danke“ und verneigte Sich und ging mit offnem Hosenlatz Selig durch die Straßen, und er zeigte Allen Menschen seinen goldnen Schatz.

Bis ihn schließlich ein gewisses Schicksal in ein Irrenhaus berief, Ob Erregung öffentlichen Ärgernisses. Bis er Knöpfe schluckte und entschlief.

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