Skip to content
1908

Faschingsvollmond

Joachim Ringelnatz

Ein Freund, ein Dieb aus der Nähe von Metz, Wollte mich betrunken machen. Es gelang ihm durch dauerndes Anstoßen. Wir stolperten über ein Polizeigesetz,

Lagen dann in zwei stecknadelgroßen Blutlachen. „Warum willst du mich denn betrunken machen?“ Frug ich. – „Um Dich zu berauben!“ –

Diesem Freunde konnte ich glauben; Er küßte mir oft die Hände, in Wien. – Nun lag er mit rührend blutender Nase Mitten in der Theresienstraße

Neben mir. Wo uns der Vollmond beschien. Wir wollten einander aufraffen, Aber Der Mann im Monde trat Eben in den Hof seines Mondes

Und signalisierte uns: Lohnt es Sich, einen Hofhund hier anzuschaffen? Oder empfehlen Sie Stacheldraht? Ein Schutzmann kam und nahm eins von uns beiden.

Ich ließ meinem Freunde zur Aufbewahrung Die Brieftasche. Aber nicht nur das Scheiden, Auch andres tut weh. Zum Beispiel Erfahrung. Ich kann die Gegend um Metz nicht leiden.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Faschingsvollmond · Joachim Ringelnatz · Poetry Cove