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1908

[Ein bettelarmer, braver Mann]

Joachim Ringelnatz

Ein bettelarmer, braver Mann, Der Tag und Nacht nur Gutes sann Und gar nichts mehr zu essen hatte Als eine halbverweste Ratte,

Der auch kein Bett besaß zum Schlafen, Der ging in seiner höchsten Not Zu einem reichen, stolzen Grafen Und bat ihn um ein Stückchen Brot.

Der Graf nahm das gewaltig übel Und schlug mit dem Champagnerkübel Den braven Bettler lächelnd tot. Doch niemand wagte es, den Grafen

Für solche Freveltat zu strafen. Und deshalb wurde sein Betragen Dann mit den Jahren noch viel schlimmer. – So manchen Leser hör' ich sagen:

Ja, ja! – ja, ja! – So ist das immer! Ich aber denke still für mich: Der Leser ist ein Gänserich.

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