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1908

Die Fliege im Flugzeug

Joachim Ringelnatz

Ich war der einzige Passagier Und hatte – nur zum Spaße – Eine lebende Fliege bei mir In einem Einmachglase.

Ich öffnete das Einmachglas. Die Fliege schwirrte aus und saß Plötzlich auf meiner Nase Und rieb sich die Vorderpfoten.

Das verletzte mich. Ich pustete. Sie setzte sich Auf das Schildchen „Rauchen verboten“. Ich sah: Der Höhenzeiger wies

Auf tausend Meter. Ha! Ich stieß Das Fenster auf und dachte An Noahs Archentaube. Die Fliege aber – ich glaube,

Sie lachte. Und hängte sich an das Verdeck Und klebte sehr viel Fliegendreck Um sich herum, im Kreise,

Unmenschlicherweise. Und als es dann zur Landung ging, Unser Propeller verstummte, Da plusterte das Fliegending

Sich fröhlich auf und summte. Gott weiß, was in mir vorging, Als solches mir durchs Ohr ging. Ich weiß nur noch, ich brummte

Was vor mich hin. So ungefähr: Ach, daß ich eine Fliege wär.

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