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1908

[Der Spiegel, der Kamm]

Joachim Ringelnatz

Der Spiegel, der Kamm Und der Schwamm Und das weiße Handtuch an der Wand Und ein Mann, der hinter dem Kleiderschrank stand,

Die warteten auf das schöne Mädchen Käthchen. Und endlich, endlich kam Käthchen gegangen. Da küßte der Schwamm ihr Mund und Wangen,

Und sie küßte den Schwamm und beugte sich nieder Und küßte das Handtuch und küßte es wieder. Sie ließ sich von dem Spiegel umschmeicheln Und von dem Kamme ihr Goldhaar streicheln.

Dann sagte sie allen recht schönen Dank. Dann sah sie den Mann hinterm Kleiderschrank Und rannte davon und schrie dabei: „Zu Hilfe! Mörder!“ und „Polizei!“ – –

Der Mensch glaubt über den Dingen zu stehen. Hier war das Gegenteil deutlich zu sehen.

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