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1908

Das Mädchen mit dem Muttermal

Joachim Ringelnatz

Woher sie kam, wohin sie ging, Das hab' ich nie erfahren. Sie war ein namenloses Ding Von etwa achtzehn Jahren,

Sie küßte selten ungestüm. Dann duftete es wie Parfüm Aus ihren keuschen Haaren. Wir spielten nur, wir scherzten nur;

Wir haben nie gesündigt. Sie leistete mir jeden Schwur Und floh dann ungekündigt. Entfloh mit meiner goldnen Uhr

Am selben Tag, da ich erfuhr, Man habe mich entmündigt. Verschwunden war mein Siegelring Beim Spielen oder Scherzen.

Sie war ein zarter Schmetterling. Ich werde nie verschmerzen, Wie vieles Goldene sie stahl, Das Mädchen mit dem Muttermal

Zwei Handbreit unterm Herzen.

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