Skip to content
1908

Das Kartenspiel

Joachim Ringelnatz

Vier Männer zogen sich zurück, Schlossen sich ein, und drei Von ihnen versuchten ihr Glück, Spielten Karten.

Draußen im Garten Blühte der Mai. Im schwülen Zimmer saßen die Männer bei ihren Karten.

Ihre Weiber ließen sie Draußen weinen und warten. Und spielten Spiel um Spiel zu dritt, Und jeder schwitzte.

Der vierte Mann sah zu, kibit – Kibitzte. Geld hin – Geld her – Geld her – Geld hin – Verlust – Gewinn –

Nach Kartengemisch. Es wurde gebucht, Gereizt und geflucht. Man schlug auf den Tisch.

Man witzelte seicht. Hätte Pikdame statt Karozehn Den Buben genommen, Dann wäre vielleicht

Alles anders gekommen. Und noch einmal und noch und noch, Verbissen und besessen. – Ein Lüftchen kam durchs Schlüsselloch,

Roch nach verbranntem Essen. Der König fiel. Das letzte Spiel, Das allerletzte Spiel begann.

Und wieder stach die Karozehn. Der vierte Mann, Der nichts getan als zugesehn, Gewann.

Vier gähnende Männer gingen Hinaus ins Morgengraun. Draußen hingen Am Gartenzaun

Vier vertrocknete Fraun.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Das Kartenspiel · Joachim Ringelnatz · Poetry Cove