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1908

Alte Winkelmauer

Joachim Ringelnatz

Alte Mauer, die ich oft benässe, Weil's dort dunkel ist. Himmlisches Gefunkel ist In deiner Blässe.

Pilz und Feuchtigkeiten Und der Wetterschliff der Zeiten Gaben deiner Haut Wogende Gesichter,

Die nur ein Dichter Oder ein Künstler Oder Nureiner schaut. „Können wir uns wehren?“

Fragt's aus dir mild. Ach, kein Buch, kein Bild Wird mich so belehren. Was ich an dir schaute,

Etwas davon blieb Immer. Nie vertraute Mauer, dich hab' ich lieb. Weil du gar nicht predigst.

Weil du nichts erledigst. Weil du gar nicht willst sein. Weil mir deine Flecken Ahnungen erwecken.

Du, eines Schattens Schein. Nichts davon wissen Die, die sonst hier pissen, Doch mir winkt es: Komm!

Seit ich dich gefunden, Macht mich für Sekunden Meine Notdurft an dir fromm.

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