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1900

Die Versuchung

Rainer Maria Rilke

Nein, es half nicht, daß er sich die scharfen Stacheln einhieb in das geile Fleisch; alle seine trächtigen Sinne warfen unter kreißendem Gekreisch

Frühgeburten: schiefe, hingeschielte kriechende und fliegende Gesichte, Nichte, deren nur auf ihn erpichte Bosheit sich verband und mit ihm spielte.

Und schon hatten seine Sinne Enkel; denn das Pack war fruchtbar in der Nacht und in immer bunterem Gesprenkel hingehudelt und verhundertfacht.

Aus dem Ganzen ward ein Trank gemacht: seine Hände griffen lauter Henkel, und der Schatten schob sich auf wie Schenkel warm und zu Umarmungen erwacht –.

Und da schrie er nach dem Engel, schrie: Und der Engel kam in seinem Schein und war da: und jagte sie wieder in den Heiligen hinein,

daß er mit Geteufel und Getier in sich weiterringe wie seit Jahren und sich Gott, den lange noch nicht klaren, innen aus dem Jäsen destillier.

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Die Versuchung · Rainer Maria Rilke · Poetry Cove