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1900

Der Auszugdes verlorenen Sohnes

Rainer Maria Rilke

Nun fortzugehn von alledem Verworrnen, das unser ist und uns doch nicht gehört, das, wie das Wasser in den alten Bornen, uns zitternd spiegelt und das Bild zerstört;

von allem diesen, das sich wie mit Dornen noch einmal an uns anhängt – fortzugehn und Das und Den, die man schon nicht mehr sah

(so täglich waren sie und so gewöhnlich), auf einmal anzuschauen: sanft, versöhnlich und wie an einem Anfang und von nah; und ahnend einzusehn, wie unpersönlich,

wie über alle hin das Leid geschah, von dem die Kindheit voll war bis zum Rand –: Und dann doch fortzugehen, Hand aus Hand, als ob man ein Geheiltes neu zerrisse,

und fortzugehn: wohin? Ins Ungewisse, weit in ein unverwandtes warmes Land, das hinter allem Handeln wie Kulisse gleichgültig sein wird: Garten oder Wand;

und fortzugehn: warum? Aus Drang, aus Artung, aus Ungeduld, aus dunkler Erwartung, aus Unverständlichkeit und Unverstand: Dies alles auf sich nehmen und vergebens

vielleicht Gehaltnes fallen lassen, um allein zu sterben, wissend nicht warum – Ist das der Eingang eines neuen Lebens?

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