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1900

Das Lied des Blinden

Rainer Maria Rilke

Ich bin blind, ihr draußen, das ist ein Fluch, ein Widerwillen, ein Widerspruch, etwas täglich Schweres. Ich leg meine Hand auf den Arm der Frau,

meine graue Hand auf ihr graues Grau, und sie führt mich durch lauter Leeres. Ihr rührt euch und rückt und bildet euch ein anders zu klingen als Stein auf Stein,

aber ihr irrt euch: ich allein lebe und leide und lärme. In mir ist ein endloses Schrein und ich weiß nicht, schreit mir mein

Herz oder meine Gedärme. Erkennt ihr die Lieder? Ihr sanget sie nicht nicht ganz in dieser Betonung. Euch kommt jeden Morgen das neue Licht

warm in die offene Wohnung. Und ihr habt ein Gefühl von Gesicht zu Gesicht und das verleitet zur Schonung.

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Das Lied des Blinden · Rainer Maria Rilke · Poetry Cove