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1900

Aus dem Leben eines Heiligen

Rainer Maria Rilke

Er kannte Ängste, deren Eingang schon wie Sterben war und nicht zu überstehen. Sein Herz erlernte, langsam durchzugehen; er zog es groß wie einen Sohn.

Und namenlose Nöte kannte er, finster und ohne Morgen wie Verschläge; und seine Seele gab er folgsam her, da sie erwachsen war, auf daß sie läge

bei ihrem Bräutigam und Herrn; und blieb allein zurück an einem solchen Orte, wo das Alleinsein alles übertrieb, und wohnte weit und wollte niemals Worte.

Aber dafür, nach Zeit und Zeit, erfuhr er auch das Glück, sich in die eignen Hände, damit er eine Zärtlichkeit empfände, zu legen wie die ganze Kreatur.

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Aus dem Leben eines Heiligen · Rainer Maria Rilke · Poetry Cove