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1900

Am Rande der Nacht

Rainer Maria Rilke

Meine Stube und diese Weite, wach über nachtendem Land, – ist Eines. Ich bin eine Saite, über rauschende breite

Resonanzen gespannt. Die Dinge sind Geigenleiber, von murrendem Dunkel voll; drin träumt das Weinen der Weiber,

drin rührt sich im Schlafe der Groll ganzer Geschlechter..... Ich soll silbern erzittern: dann wird

Alles unter mir leben, und was in den Dingen irrt, wird nach dem Lichte streben, das von meinem tanzenden Tone,

um welchen der Himmel wellt, durch schmale, schmachtende Spalten in die alten Abgründe ohne

Ende fällt...

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Am Rande der Nacht · Rainer Maria Rilke · Poetry Cove