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1900

9.

Rainer Maria Rilke

Rühmt euch, ihr Richtenden, nicht der entbehrlichen Folter und daß das Eisen nicht länger an Hälsen sperrt. Keins ist gesteigert, kein Herz –, weil ein gewollter Krampf der Milde euch zarter verzerrt.

Was es durch Zeiten bekam, das schenkt das Schafott wieder zurück, wie Kinder ihr Spielzeug vom vorig alten Geburtstag. Ins reine, ins hohe, ins thorig offene Herz träte er anders, der Gott

wirklicher Milde. Er käme gewaltig und griffe strahlender um sich, wie Göttliche sind. Mehr als ein Wind für die großen gesicherten Schiffe. Weniger nicht, als die heimliche leise Gewahrung,

die uns im Innern schweigend gewinnt wie ein still spielendes Kind aus unendlicher Paarung.

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