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1827

Zu Goethes westöstlichem Diwan

Friedrich Rückert

Wollt ihr kosten Reinen Osten, Müßt ihr gehn von hier zum selben Manne, Der vom Westen

Auch den besten Wein von jeher schenkt' aus voller Kanne. Als der West war durchgekostet, Hat er nun den Ost entmostet;

Seht, dort schwelgt er auf der Ottomane. Abendröten Dienten Goethen Freudig als dem Stern des Abendlandes;

Nun erhöhten Morgenröten Herrlich ihn zum Herrn des Morgenlandes. Wo die beiden glühn zusammen,

Muß der Himmel blühn in Flammen, Ein Diwan voll lichten Rosenbrandes. Könnt ihr merken An den Stärken

Dieses Arms, wie lang' er hat gefochten? Dem das Alter Nicht den Psalter Hat entwunden, sondern neu umflochten.

Aus iran'schen Naphthabronnen Schöpft der Greis itzt, was die Sonnen Einst Italiens ihm, dem Jüngling, kochten. Jugendhadern

In den Adern, Zorn und Glut und Mild' und süßes Kosen; Alles Lieben Jung geblieben,

Seiner Stirne stehen schön die Rosen. Wenn nicht etwa ew'ges Leben Ihm verliehn ist, sei gegeben Langes ihm von uns gewognen Losen.

Ja von jenen Selbst, mit denen Du den neuen Jugendbund errichtet, Sei mit Brünsten

Unter Künsten Aller Art, in der auch unterrichtet, Wie Saadi in jenem Orden Über hundert Jahr' alt worden,

Und Dschami hat nah' daran gedichtet.

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