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1827

[Soll ich denn in diesen Tagen]

Friedrich Rückert

Soll ich denn in diesen Tagen Meinen Verlust, Immer ihn von neuem tragen, Meinen Verlust?

Denn das Herz verliert von neuem, Was es beklagt; Und ich soll von neuem klagen Meinen Verlust!

Alte Freunde und Bekannte Kehren zurück; Jedem einzeln muß ich sagen Meinen Verlust.

Alle Frühlingsblumen sehn wie Fragen mich an, Jede will von mir erfragen Meinen Verlust.

Jede nimmt wohl Thau ins Auge, Keine jedoch Lässet sich am Herzen nagen Meinen Verlust.

Thöricht, wer noch um Verlornes Worte verliert; Nicht auf Worte will ich wagen Meinen Verlust.

Nicht der Neugier dieser Lüfte Geb' ich ihn Preis, Daß sie in den Wind nicht schlagen Meinen Verlust.

Nicht dem Schmeicheln dieser Wellen Trag' ich ihn auf; Sie verscherzen im Entjagen Meinen Verlust.

Nicht den Vögeln in dem Walde Thu' ich ihn kund, Daß sie sängen mit Behagen Meinen Verlust.

Nicht gelinder wird im Busen Schlagen mein Herz, Wenn die Nachtigallen schlagen Meinen Verlust.

Und wie Vielen mitgetheilt ich Habe mein Weh, Muß ich ungetheilt doch tragen Meinen Verlust.

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