Skip to content
1827

Rosen auf das Grab einer edlen Frau

Friedrich Rückert

Gehöret hab' ich, und ich kann es schauen, An dieser Thränenstürme lautem Tosen, Daß wohl die Vater- und die Mutterlosen, Und die Gebrechlichen und Altergrauen

Sonst hatten eine Mutter an der Frauen, Der sie zu Grab jetzt folgen – für Almosen, Die sie von ihr empfingen jetzund Rosen Aufs Grab ihr streun und Thränen drüber tauen.

Ihr sollt euch trösten! Auf dem Sterbebette Hat sie noch ihrer Armen nicht vergessen. – Wir alle, die wir ihren Heimgang ehren, Sind Arme, die empfahn an dieser Stätte

Almosen, deren Wert nicht zu ermessen, Davon die Herzen lang' noch können zehren. Der Anblick einer Seele, die in Frieden Mit Gott, der Welt und sich des Amtes pflegte

Mit treuer Hand, das Gott in ihre legte, Und als der Herr sie abrief von hienieden, Ihm willig folgte, ruhig, ernst, entschieden; Selbst noch, als sich um sie der Jammer regte

Der Ihren, mit dem Troste, den sie hegte In ihrer Brust, sie alle sprach zufrieden; Der Anblick, der uns herrlicher und reiner Erkennen läßt, daß über seiner Hülle

Der freie Geist besteht, der wandellose; Das ist die große, hier wie sonst an keiner Grabstätte je in also reicher Fülle, An dieser uns gespendete Almose.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Rosen auf das Grab einer edlen Frau · Friedrich Rückert · Poetry Cove