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1827

[Morgens bei der Sichel Klang]

Friedrich Rückert

Morgens bei der Sichel Klang, Die im Thal der Schnitter schwang, Hört' ich diesen Silfensang: Um die Blumen auf den Auen

Laßt uns klagen, Daß sie werden abgehauen, Laßt uns klagen! Die beim Untergehn die Sonne

Gestern grüßte: Lebet wohl auf Wiederschauen! – Laßt uns klagen! Heute schaut die Sonne lächelnd

Ihre Leichen; Ist auf Sonnengruß zu trauen? Laßt uns klagen! Und die Luft, die schmeichelnd ihnen

Koste, küßt sie Welk mit Hauch, dem todeslauen; Laßt uns klagen! Unter Perlen, die der Morgen

Ihnen weinet, Bis des Abends Thränen thauen, Laßt uns klagen! Abends als im Dämmerflor

Sich der Schnittersang verlor, Hört' ich diesen Elfenchor: Um die Blumen abgehauen, Laßt das Klagen,

Daß sie starben auf den Auen, Laßt das Klagen! Wenn die Blumen unsern Blicken Sich entziehn,

Laßt uns nach den Sternen schauen! Laßt das Klagen! Gehn im Grünen hier die hellen Augen zu,

Gehen sie dort auf im Blauen; Laßt das Klagen! Und neu leuchten Blumenkerzen, Wenn der Sterne

Lampe löscht im Morgengrauen; Laßt das Klagen Blumenstern' und Sternenblumen Blühn, solange

Wechselnd Tag' und Nächte thauen; Laßt das Klagen!

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