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1827

[Ein Knöspchen unentfaltet]

Friedrich Rückert

Ein Knöspchen unentfaltet Ist's was der Sturm dir bricht; Und was daraus gestaltet Sich hätte, weißt du nicht.

Willst du so stark nun klagen, So zeigest du dich schwach; Es wächst in Jahr und Tagen Wohl eine wieder nach.

Laßt mich nur immer klagen, Und nennet mich nicht schwach; Es wächst in Jahr und Tagen Mir keine solche nach.

Ihr habt die Knospenhülle Der Gegenwart gesehn, Ich sah die Rosenfülle Der Zukunft vor mir stehn.

Dort eine Hyazinthe Zog ich im Winterhaus, Mit bläßlich rother Tinte Nimmt sie sich kränklich aus.

Doch säh' ich sie gebrochen Nicht ohne Herzverdruß, Die doch in wenig Wochen Von selber welken muß.

Doch die mir im Gemüthe Hatt' ihrer Wurzeln Grund, War keine Winterblüthe, Die Rose war gesund.

Sie sollt' auch nicht auf Wochen, Sie sollt' aufs Leben blühn; Und daß sie ward gebrochen, Sollte mich das nicht mühn?

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