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1827

Adler und Lerche

Friedrich Rückert

Könnt' ich steigen, Dem Adler gleich, Der kommenden Sonn' entgegen, Die Brust getaucht

In Morgenrot, Badend in Glanz des Äthers, Weil in Tiefen Die Nacht noch träumt,

Dem erwachenden Auge der Welt Den ersten Blick entsaugen! Oder fliegen,

Der Lerche gleich, Nach, der scheidenden Sonne nach, Über der stillen Schöpfung, Angeglühet

Vom letzten Strahl, Die Seel' im Liede verhauchend, Verschwebend, Verschwirrend

In Ätherduft, Nie mehr wieder Zur Erd' hernieder! Aber ach!

Der Adler, der Der Sonn' ins Angesicht geschaut, Senkt den Fittich Aus Himmelsglanz,

Um in dunkeler Tiefe Nach der Beute des Tags zu spähn, Und die Lerche Aus den Wirbeln

Ihres Himmelsgesanges Sinkt ermattet Zum Boden wieder, Wo sie das Nest für die Nacht gebaut.

Kann kein erdegeborner, Flügelbegabter Heldensinn, Sängergeist

Den Banden der niedren Mutter Ganz entfliehn, Dem edlen Vater Lichte zu?

Liebe setzte die Schwingen Der Begeisterung An mein Herz, Und es flog

Der Sonne zu, Bis die Fittiche Schmolzen, Seinen Höhen

Entstürzend Es ins Meer der Beschämung sank. Und es klagte. Doch die Liebe

Sprach, die Schwing' ihm erneuend: „Andre geb' ich Dir, die schwache, Aber himmlische

Freundin, nicht. Stärkre, die nicht Wieder schmelzend Noch Erneuung bedürfend,

Sicheren Flugs dich Allen Sonnen Vorüber tragen Der höchsten zu,

Gibt mein stärkerer Zwillingsbruder Tod dir einst.“

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