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1788–1866

99.

Friedrich Rückert

Welch Unglück, weder recht zu wachen noch zu träumen, Auf Erden nicht zu Haus noch auch in Himmelsräumen. Im Schlaf zu wachen und zu wandeln, kann dir taugen Sowenig als ein Schlaf mit halbwach offnen Augen.

Abwechselnd müssen Schlaf und Wachen sich erfrischen, Nicht lassen sich die zwei wie Wein und Wasser mischen. Nicht gatten können sich die zwei wie Licht und Schatten, Ohn' unerquicklich eins am andern zu ermatten.

Die Dämmerung ist schön, doch nur als Uebergang, Ob aus ihr Sternennacht, ob Sonnentag entsprang. So zwischen Wachen auch und zwischen Schlafen liegt Ein schöner Augenblick, schön weil er schnell entfliegt;

Wo Seele Bürgerin sich fühlet zweier Welten, Und in dem Augenblick vergleicht, was beide gelten.

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