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1788–1866

92.

Friedrich Rückert

Gebrauche deine Kraft nur Güter zu erwerben, Die du gebrauchen kannst zum Leben und zum Sterben. Nützt irdischer Erwerb zum einen nur allein, So ist der geistige gleich nütz zu allen zwein.

Denn wie der Leib bestehn nicht ohne Speise kann, So ohne Wissen nicht, wer einen Geist gewann. Den irdischen Besitz vererbest du beim Sterben; O such den geist'gen auch beim Scheiden zu vererben.

Du lässest irgendwie der Welt ihn eingeprägt, Als Korn, das Wurzel schlägt, als Zweig, der Früchte trägt. Dir selbst ist dort villeicht, wie was du hier besessen, Auch was du hier gewußt, verloren und vergessen.

Allein die Kraft, die es erwarb, ist nicht verloren; Zu höherem Erwerb ist sie dir neu geboren. Drum auf Erwerben üb' im Ernst der Kräfte Spiel; Nicht der Erwerb ist hier, die Uebung ist das Ziel.

Wie eines Knaben Fleiß bald bunte Steinchen sammelt, Bald Wörter ohne Sinn' in fremder Sprache stammelt; Was hat der Mann dereinst vom Steinchen und vom Wort? Er hat nun Lust und Kraft zu sammeln andern Hort.

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