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1788–1866

90.

Friedrich Rückert

Lust an Vergänglichem kann nur vergänglich seyn, Und ewig ist die Lust am Ewigen allein. Du sagst dir das, und kannst dennoch der Lust nicht wehren, Was unbegehrenswerth du siehest, zu begehren.

Warum? weil in dir selbst ist ein Vergängliches, Der Unvergänglichkeit ganz unempfängliches. Doch fühlest du in dir ein Andres unvergänglich, Dem, was vergänglich ist, erscheinet unzulänglich.

In solchem Kampfe bleibt der Sieg nicht zweifelhaft, Sobald das Edlere gebrauchet seine Kraft. Dir wird für ew'ge Lust jemehr Empfänglichkeit, Jemehr in deiner Brust reift Unvergänglichkeit.

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90. · Friedrich Rückert · Poetry Cove