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1788–1866

75.

Friedrich Rückert

Der König auf der Pirsch' hat einen Hirsch erjagt; Mit Zittern steht der Hirsch, der um sein Leben zagt. Der blickt den König an, und beugt vor ihm die Glieder, Selbst eine Thräne rann von seinem Auge nieder.

Der König will gerührt dem Thier das Leben schenken, Und stiftet, wies gebührt, davon ein Angedenken. Man legt ums Hirschgeweih ein Reiflein Gold, da war Dem Königsnamen bei geschrieben Tag und Jahr.

Der Hirsch enteilt mit Dank, und heim der König kehrt; Bald wird der König krank, der Hirsch lebt unversehrt. Der König stirbt, ihm folgt ein Sohn, und dem ein Sohn; Der jagt im selben Wald, wo einst der Hirsch entflohn.

Da stellt der Hirsch sich dar, den Nacken altersteif, Doch um die Stirne war noch hell der goldne Reif. Verwundert schauet ihn der junge König an, Bis dort ihm klar erschien der Ruhm von seinem Ahn.

Und als man Jahr und Tag zusammenzählte, war Von damals der Betrag bis heute hundert Jahr. Die hundert Jahre froh hat in dem Wald gewohnt Ein Lebendes, weil so ein König es geschont.

Groß ist des Königs Glück, der, wenn man ihn begräbt, Ein Denkmal läßt zurück, das hundert Jahre lebt.

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