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1788–1866

75.

Friedrich Rückert

Ich lehre dich, mein Sohn! Nie übe das, was über Das Maß ist! Ueberall vom Uebel ist das Ueber. Ich überliefr' es dir, wie's mir ist übermacht: Nicht gut ist Ueberfluß, nicht gut ist Uebermacht.

Denn hast du's überdacht, wie oft die Uebermacht Und Ueberpracht der Welt vergangen über Nacht? Und wie den Ueberfluß Uebergenuß verschlingt, Und wie der Ueberdruß aus Ueberfluß entspringt?

Wie Drang zu Ueberdrang, Schwung wird zu Ueberschwang, Und schnell zum Bösen ist des Besten Uebergang? Leicht stumpf wird überfein, leicht thöricht überklug, Weil stets ein Gegentheil ins andre überschlug.

Schön sei nicht überschön, und hold nicht überhold! Denn Uebergoldung ist im Werth nicht über Gold. Um wirklich gut zu sein, sei selbst nicht übergut; Und wenn der Muth ist dein, werd' er nicht Uebermuth.

Denn jeder Trieb verdirbt, wann er wird übertrieben: Auch überschätzen sollst du nichts noch überlieben. Bei Ueberlegung nur darfst du was über-legen; Denn Ueberlegenheit entspringt aus Ueberlegen.

Die Ueberlegung doch ist unnütz auch, worüber? Mein Söhnchen, über das, was einmal ist vorüber.

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