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1788–1866

75.

Friedrich Rückert

Im Weg begegnen sich die Bien' und die Ameise, Die singend in der Luft, und die am Boden leise. Sie haben keine Zeit einander zu begrüßen, Sie treibt der rege Fleiß auf Flügeln fort und Füßen.

Fort treibt sie reger Fleiß auf Flügeln und auf Füßen, Zu büßen ihre Lust am bittern Werk und süßen. Die Bien' am süßen Werk, die Ameis' an dem bittern, Zu riechen Honigduft und Weihrauchkorn zu wittern.

Die Aems' am bittern Werk, die Bien' an ihrem süßen, Arbeiten stets mit Lust, die Arbeitslust zu büßen. Und fürchteten die Zeit zur Arbeit einzubüßen, Nähmen sie sich die Zeit einander zu begrüßen.

Sie tummeln sich vorbei, und werden nicht gewahr, Wie gleich und ungleich sie zusammen sind ein Paar. Die Imm' ist im Geschäft beständig immer kräftig, Die Aems' in Aemsigkeit nach Kräften stets geschäftig.

Den Vorrath schaffen sie nicht aus selbeignem Rath, Sie wirken für ein Volk, und leben einem Staat. Das Volk der Bienen wählt sich eine Königinn, Ameisen hält zusamm nur der gemeine Sinn.

Darum im Bienenschloß auch wohnen faule Dronen, Da im Ameisenhaus allein Arbeiter wohnen. Darum die Bien' ihr Nest im Wipfel sucht geflügelt, Und sich Ameisenbau vom Boden aufwerts hügelt.

Im weiten Weg der Luft geht Bienenschwarm nicht irr, Noch, Ameis', in der Kluft dein wimmelndes Gewirr.

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