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1788–1866

71.

Friedrich Rückert

Sein eigen nennt der Mensch ein Gut uneigentlich; Daß Gutes ist von Gott, gesteht er schweigentlich. Du sollst, was deiner Art, was deinem Sinn kann eignen, Wo dir's auf deiner Fahrt begegnet, dir aneignen.

Der Eigner dieser Welt das ist ein Geist, der eignet Sich dauernd alles zu, was flüchtig sich ereignet. Das Eigenthum ist nur ein äußerlich Geleit, Dein rechtes Eigenthum ist Eigenthümlichkeit.

Auf diese Eigenblum' halt ohne Eigenruhm, Und laß dir rauben nie dein eigenst Eigenthum. Gleichfern von Eigensucht alswie von Eigenflucht, In Eigenzucht gedeiht des Herzens Eigenfrucht.

Dis sei mein eigner Sinn, zu seyn ohn' Eigensinn; Mein eigen bin ich nur, wenn ich dein eigen bin. Ich bin in Lust und Schmerz liebeigen und leibeigen Dir, welchem stets mein Herz blieb eigen und bleib' eigen!

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