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1788–1866

64.

Friedrich Rückert

Mag meine Seele, die im Wachen aufwerts steigt Zum Himmel, und sich nie im Traum zur Erde neigt, Mag meine Seele rein ein Licht aus jenem Licht, Mit ihm vereinigt seyn in froher Zuversicht!

Mag meine Seele, die des Leibes Opferschale Füllt, bis ergossen sie wird seyn zum Opfermale, Mag meine Seele rein aus jenem Thau ein Thauen, Mit ihm vereinigt seyn in Sehnsucht und Vertrauen!

Mag meine Seele, die das Spiel der Kräfte treibt Planeten gleich, und wie die Sonn' in Ruhe bleibt, Mag meine Seele rein ein Trieb von jenem Triebe, Mit ihm vereinigt seyn in Seligkeit und Liebe!

Mag meine Seele, die bewußtvoll hält umfangen, Was gegenwärtig hie, was künftig und vergangen, Mag meine Seele rein, dem Ew'gen nicht zu rauben, Mit ihm vereinigt seyn in Ewigkeit, im Glauben!

Mag meine Seele, die sich wie mit Flammendochten Mit lichter Harmonie des Weltalls hat durchflochten, Mag meine Seele, rein durchtönt vom Schöpfungswort, Mit ihm vereinigt seyn in Andacht fort und fort!

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