Skip to content
1788–1866

61.

Friedrich Rückert

Wie alt ist Gottes Welt? Die Rechnung magst du sparen; Ihr Lebensalter zählt sich nicht nach tausend Jahren. Wenn Gott ist ewig, muß die Welt auch ewig seyn; Denn Gott ist unser Licht, und Welten dessen Schein.

Kein Licht kann seyn, ohn' auch mit Schein sich zu umzirken, Und kein Werkmeister, ohn' ein Meisterwerk zu wirken. Warum muß aber hier sich Gutem Böses gatten? Weil, wenn der Schein vom Licht sich trennt, er wird zum Schatten.

Darum, wenn Gottes Glanz, nicht Schatten seyn willst du, So wende nicht dem Licht dich ab, dir selber zu. Dein schönstes Streben sei, dem Lichte zuzuwenden Dich und die Welt, so daß euch nicht die Strahlen blenden.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
61. · Friedrich Rückert · Poetry Cove