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1827

6. Das ist dein Amt

Friedrich Rückert

Leucht', o flammendes Sonnenaug', über die Welt; das ist dein Amt. Lenz! mit blühendem Rosentraum schmücke das Feld; das ist dein Amt. Mond am Himmel! o schlafe nicht! denn hier auf Erden wollen sein Liebesnächte von deinem Strahl lieblich erhellt; das ist dein Amt.

Sing', o liebende Nachtigall, was du von Rosen-Schönheit weißt, Sing' und stirb im Gesang, zu Sang bist du bestellt; das ist dein Amt. Thräne meines verlassnen Augs! für ein geliebtes Bild, das hier Soll einkehren, mit duft'gem Flor schmücke das Zelt; das ist dein Amt.

Bild der Schönheit! mit Himmelsglanz allen in Nacht Versunkenen Vorzuleuchten, dazu hat uns Gott dich gesellt; das ist dein Amt. Sag' zu deinem verklärten Blick: lege die goldne Rüstung an, Gründ' auf Erden der Liebe Reich, leuchtender Held! das ist dein Amt.

Zu dem Bogen der Braue sprich: spanne dich stolz, daß Pfeil auf Pfeil Auf rebellischer Herzen Trotz werde geschnellt; das ist dein Amt. Daß du flatternde Locke mich Flatternden fingest, dank' ich dir; Immer neu sei dein reizendes Netz mir gestellt; das ist dein Amt.

O mein tönendes Saitenspiel! weil das Geschick in meine Hand Dich gegeben, von Liebeshauch Töne-geschwellt; das ist dein Amt. Lenk', o rüstiger Steuermann, diesen verlornen Nachen durch Klipp' und Brandung und Wogendrang, bis er zerschellt; das ist dein Amt.

Laß die heuchlerisch dumpfe Welt scheitern an ihrer Eigensucht. Lieb' aufrichtig und trink, Hafis! schwärm' unverstellt; das ist dein Amt.

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